
Neuer Chef der Vatikanbank
Der neue Präsident der Vatikanbank IOR will durch Transparenz und Kommunikation das angeschlagene Image des Instituts wiederherstellen. "Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik bei Kunden, aber auch bei Angestellten, die irgendwie in Geldwäsche verwickelt sein sollten", sagte Ernst von Freyberg am Freitag in Radio Vatikan. Der Vatikan habe sich international geltenden Standards angeschlossen und wende die verlangten Maximalstandards an. Von Freyberg ist seit dem 15. Februar Präsident des Aufsichtsrates der Vatikanbank, die wegen des Verdachts auf Geldwäsche wiederholt in die Schlagzeilen geraten war.
In dem Interview sagte er: "Wir schulden der Kirche Transparenz und eine gute Erklärung dessen, was wir tun." Anders als zunächst gedacht, bestehe seine Hauptaufgabe nicht im "Aufräumen" mit unvorschriftsmäßigen Konten, betonte der IOR-Präsident: "Davon kann ich - bis jetzt - nichts entdecken." Derzeit sehe er wichtigere Dinge, insbesondere die Kommunikation mit den Auftraggebern, den Kardinälen, der Kurie und den Kunden.
Mit Nachdruck wies von Freyberg Spekulationen über angebliche Nummernkonten beim IOR zurück. "Es gibt keine Nummernkonten. Seit 1996 ist es technisch unmöglich." Er habe selbst Zufallsproben gemacht und keine Anzeichen dafür gefunden.
Von Freyberg räumte ein, das IOR habe die Veränderungen im internationalen Bankgeschäft nach den Anschlägen vom 11. September nicht rasch genug mitvollzogen, etwa die Neudefinition von Vertraulichkeit. Man arbeite daran, das nachzuholen, um möglichst bald ein "relativ normales Institut im Vergleich mit anderen Finanzinstituten" zu sein.
Das IOR erwirtschafte jährlich einen Überschuss von 55 Millionen Euro, die dem Haushalt des Vatikan zugeführt würden. Den größten Gewinn brächten Zinseinnahmen und Erträge aus Kursschwankungen. Dabei sei das IOR keine Bank im klassischen Sinn: "Wir verleihen kein Geld, wir machen keine direkten Anlagengeschäfte, wir machen keine Spekulationsgeschäfte. Unser Kerngeschäft ist das Anlegen von Einlagen in Rentenpapiere, einige Unternehmensanleihen, so dass wir den Kunden ihr Geld geben können" - wann und wo immer sie es haben wollten.
Das IOR sei stark mit Kapital ausgestattet, betonte der Präsident: "800 Mio. Euro gegenüber 5 Milliarden Euro im Haushalt. Das ist doppelt so viel, wie Sie es außerhalb des Vatikan finden würden." Daher habe das IOR auch der Wirtschaftskrise keine Probleme gehabt.
Von Freyberg berichtete, sein Institut arbeite eng mit der vatikanischen Finanzaufsicht AIF zusammen. Außerdem habe er weitere externe Berater engagiert, etwa die "wahrscheinlich führende Beraterfirma in Sachen Anti-Geldwäsche". Die AIF war Ende 2010 von Papst Benedikt XVI. gegründet worden, um die Finanzgeschäfte im Vatikan internationalen Standards anzupassen. Im April 2011 hatte sie ihre Arbeit aufgenommen.