
Thema Frauenarmut
Altersarmut von Frauen darf nicht länger hingenommen werden. Das hat die Leiterin der Katholischen Sozialakademie (ksoe), Magdalena Holztrattner, gefordert. "Wie kann es sein, dass Frauen, die ihr Leben lang viel gearbeitet haben, aber vielleicht wenig erwerbstätig waren und daher wenig Versicherungsjahre haben, im Alter an materieller Armut leiden?", so Holztrattner in einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Vorarlberger "Kirchenblatts". Es gelte, das Versicherungssystem zu hinterfragen. Die Frage der Frauenarmut im Alter sei trotz 100 Jahre Frauenbewegung immer noch relevant, "und deswegen muss es auf die Agenden der Kirche und Politik gebracht werden, damit es aktiv durchdacht und entwickelt wird".
Ein weiteres gesellschaftspolitisches Probleme ortete die ksoe-Leiterin in der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung: "Was bedeutet das, von der Kirche her gedacht unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit? Hier gilt es, diese Herausforderung anzunehmen und Lösungsansätze zu entwickeln."
Die Soziallehre sei die Antwort der Kirche auf die sozialen Fragen nach Gerechtigkeit und gutem Leben für alle in der Gesellschaft. Insofern sei die Soziallehre auch immer politisch, "weil es um das Allgemeingut geht, um das Leben der Menschen in einer Gesellschaft". Zu den politischen Parteien versuche die Kirche aber eine Äquidistanz zu halten, so Holztrattner: "Es bleibt immer themenspezifisch und an den Menschen orientiert." Zentral sei der Dialog mit allen Parteien, jüngst etwa in einer Podiumsdiskussion zum freien Sonntag. Holztrattner: "Wir arbeiten mit den politischen Akademien von ÖVP, SPÖ und Grünen zusammen."
Wie Holztrattner betonte, gehe es in der Soziallehre der Kirche immer auch um Gott: "Gott ist überall drinnen, auch wenn er nicht immer explizit benannt wird. Die Soziallehre als Frage nach dem guten Leben für alle spiegelt das Grundanliegen Gottes wieder, dass es dem Menschen gut geht, dass wir das Leben in Fülle haben." Das sei die Botschaft Jesu, "dass den Armen besonders viel Achtung zukommt, dass die Ausgegrenzten hereingeholt werden, so wie sich Jesus mit den Zöllnern, Prostituierten und Aussätzigen an einen Tisch gesetzt hat, was ihm ja auch vorgeworfen wurde. Wie Jesus sagt, ist das Tun wichtiger als das darüber Reden."