
Letzter Golan-Pfarrer: Stimmung bei Truppen gut
Die Stimmung bei den österreichischen UNO-Truppen am Golan sei in den letzten Wochen und Monaten trotz widriger Bedingungen immer gut und konzentriert gewesen. Das hat der letzte Golan-Militärseelsorger, der aus dem Kärntener Stift St. Paul stammende P. Raphael Kaspar, im "Kathpress"-Gespräch betont. Die Mannschaften hätten sich durch großen Zusammenhalt ausgezeichnet. Das sei auch der beste Umgang mit der Bewältigung des Einsatzstresses gewesen, so Kaspar.
Fast täglich seien die Soldaten Zeugen von Kämpfen zwischen Rebellen und regimetreuen Truppen geworden. Die Kämpfe hätten sich zum Teil innerhalb der von den UNO-Truppen bewachten Pufferzone zwischen Israel und Syrien abgespielt, zum Teil auch knapp außerhalb. Rebellen hätten sich in Dörfern verschanzt, die syrische Armee habe diese mit Artillerie beschossen. Die Situation sei unübersichtlich gewesen. Einige Dörfer dürften auch noch von regimetreuen Verbänden gehalten worden sein, diese seien aber nicht in regulären Uniformen aufgetreten. Kontakt zur einheimischen Bevölkerung vor Ort, sofern diese überhaupt noch da war, hätten die österreichischen Soldaten zuletzt nicht mehr gehabt.
Kaspar betreute die österreichischen Soldaten - und zum Teil auch ein kroatisches Bataillon - auf dem Golan neun Monate lang. Zu den beeindruckendsten Erlebnisse zähle er die Firmung von fünf Soldaten, "begleitet nicht durch den Klang einer Orgel sondern das Dröhnen von Granatbeschüssen".
Zu den Aufgaben Kaspars zählten die Feier von Gottesdiensten und seelsorgliche Gespräche, er begleitete die Soldaten auf ihren Patrouillen, schob auch selbst Wachdienste und besuchte Kranke. - Und er wird für einige seiner Schützlinge auch in der Heimat noch eine wichtige Bezugsperson sein. "Einige Soldaten wollen heiraten und ich soll ihr Trauungspriester sein". Eine Taufe stehe auch schon an.
Kaspar seelsorglicher Einsatz beschränkte sich auch nicht nur auf die katholischen Soldaten. Auch einige Evangelische sowie ein Muslim gehörten zur heimischen UN-Truppe.
Militärseelsorge nun in drei UN-Standorten
Seit 1974 stellt der syrische Golan eines der vier ausländischen Einsatzgebiete des Bundesheeres dar, in denen stets auch Militärseelsorger tätig war. Mit den Abzug der österreichschen Soldaten geht nun auch dieses Kapitel heimischer Militärseelsorge zu Ende.
Mit der Aufgabe des Golans gibt es nunmehr noch drei Seelsorgebereiche in Einsatzgebieten des Bundesheeres - im Libanon, im Kosovo und in Bosnien, zusätzlich zu den 16 auf die Bundesländer verteilten Militärpfarren.
O-Töne von Militärpfarrer Kaspar sind in Kürze unter www.kathpress.at/audiio abrufbar.