
Flüchtlinge wollen weiter gemeinsames Quartier
Jene 63 Flüchtlinge, die bis März die Votivkirche besetzten und nun im Servitenkloster in Wien-Alsergrund untergebracht sind, beharren weiterhin auf einem gemeinsamen Folgequartier. Aufgrund von Sanierungsarbeiten müssen die Flüchtlinge das Kloster bis Ende Juli räumen. "Solange wir keinen legalen Aufenthaltstitel haben, werden wir als Gruppe zusammenbleiben und lassen uns nicht auf Quartiere aufteilen", so der Sprecher der Gruppe, Khan Adalat, in einer Aussendung.
Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, bestätigte die angespannte Lage. Von einer Besetzung, wie die Gratiszeitung "Heute" titelte, wolle er aber nicht sprechen, betonte er im Gespräch mit "Kathpress" am Dienstag.
Der Protest der Flüchtlinge habe sich von Beginn an stark über die bestehende Gruppe definiert, deshalb ist es für Schwertner nachvollziehbar, dass sich die Flüchtlinge nur schwer trennen möchten. "Sie haben Angst, der Protest würde zerfallen, wenn sich die Gruppe auflöst", erläuterte der Generalsekretär.
Es sei aber schwierig, eine gemeinsame Unterkunft für etwa 50 Personen zu finden. "Wir sind bemüht, eine brauchbare Lösung zu finden, und arbeiten mit Hochdruck. An die Möglichkeit einer Kloster-Besetzung denken wir nicht", so Schwertner.
Außerdem habe die Übersiedlung in andere Unterkünfte bereits begonnen. Rund zehn Betroffenen seien schon in anderen Quartieren untergebracht.
Schwertner verwies im Gespräch auf die gute Zusammenarbeit mit der Diakonie, der Volkshilfe und anderen Organisationen. "Alleine könnten wir das nicht managen", zeigte sich der Generalsekretär dankbar.
Die Flüchtlinge suchen aktuell verstärkt von sich aus die Unterstützung der Bevölkerung. In der Aussendung wenden sie sich an die Bevölkerung und im Speziellen an den Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. Sie bitten um Unterstützung bei der Suche nach einem "selbstverwalteten Haus".
Ursprünglich hätte der Auszug Ende Juni abgeschlossen sein müssen, nun wurde die Frist um einen Monat bis Ende Juli vom Fonds Soziales Wien (FSW) verlängert. Das würde allen Beteiligten "mehr Bewegungsspielraum" geben.
Außerdem bot die Erzdiözese Wien den Flüchtlingen an, den Theaterkeller des Servitenklosters noch bis in den Oktober als gemeinsamen Treffpunkt und Versammlungsort nützen zu können, so lange es zu keinen Nächtigungen im Keller kommen würde, so Schwertner.
Indes sei ein Streit zwischen FSW/Stadtregierung und Caritas entbrannt, heißt es in der Aussendung. Das Servitenkloster solle laut Caritas-Sprecher bis 2014 in eine Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge umgebaut werden. "Die Pläne gibt es schon lange. Deshalb war auch von Anfang an klar, dass das nur eine Lösung auf Zeit ist", so Schwertner. Von Seiten der Stadtregierung zeige man sich über dieses Argument wiederum erstaunt, heißt es.