
Salzburger Festpiele mit spirituellem Auftakt
Mit einem spirituellen Auftakt - einer "Ouverture spirituelle" - beginnen wie schon im Vorjahr die diesjährigen Salzburger Festspiele: Der von 19. Juli bis 1. September währende Reigen von Opern-, Konzert- und Theater-Highlights beginnt mit Interpretationen von abendländischer Sakralmusik aus der Feder Joseph Haydns, Wolfgang Amadeus Mozarts, Gustav Mahlers u.a., die in einen Dialog mit fernöstlicher spiritueller Musik des Buddhismus treten.
Fortgesetzt werden auch die "Disputationes" - hochkarätig besetzte Gespräche über Religion und Kultur von 19. bis 24. Juli im Rahmen der "Ouverture spirituelle", zu denen das Herbert-Batliner-Europainstitut einlädt. "Stargast" ist Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, der Präsident des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Er spricht am 19. Juli um 16 Uhr in der Großen Aula der Universität Salzburg zum Thema "Ex Oriente Lux?" (Aus dem Osten das Licht?).
Haydns "Schöpfung" solle "stets am Beginn unseres Festspielsommers stehen", so der noch bis 2014 amtierende Festspiel-Intendant Alexander Pereira. Heuer wird das Oratorium von Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus Wien interpretiert. Erneut werden in der "Ouverture spirituelle" geistliche Werke katholischer und protestantischer Komponisten einer anderen Religion gegenübergestellt, dieses Mal dem Buddhismus. "Was der Gregorianische Choral für die abendländisch-christliche, ist Shomyo für die japanisch-buddhistische Liturgie: von Mönchen vorgetragener, einstimmiger Solo- und Chorgesang", teilte Pereira zum Programm mit. Vier der insgesamt 13 Konzerte der Reihe, die u.a. in der Stiftskirche St. Peter und der Kollegienkirche stattfinden, sind allerdings bereits ausverkauft.
Im Rückblick auf die im Vorjahr erstmals durchgeführte "Ouverture spirituelle" schrieb Alexander Pereira ("Europas Ouverture - Religion und Kultur, Studien Verlag 2013), deren Erfolg als besinnliche Einstimmung auf den Festspielsommer "spricht in unserer schnelllebigen Zeit von der Sehnsucht nach Stille und Einkehr, Besinnung und Meditation". Musik besitze in vielen Religionen eine "überragende Bedeutung", nicht umsonst habe Thomas von Aquin sie als ein "Geschenk Gottes" bezeichnet.
"Disputationes" geben "ORIENTierung"
Die "Disputationes" an drei Nachmittagen (19., 21., 23. Juli) und einem abschließenden Vormittag (24. Juli) stehen unter dem Titel "ORIENTierung" und präsentieren jeweils Kurzvorträge von Fachleuten unterschiedlicher Religionen bzw. Wissenschaftsdisziplinen. Am Beginn kommen neben Kardinal Tauran auch der Philosoph an der University Kyoto, Ryosuke Ohashi, und der Leiter der Theravada-Schule Wien, Bhante Seelawansa, zum Thema "Ex Oriente Lux?" zu Wort. Grußworte sprechen die Präsidenten der Salzburger Festspiele und des Herbert-Batliner-Europainstituts, Helga Rabl-Stadler und Erhard Busek.
Die weiteren "Disputationes" finden im "Haus für Mozart", dem früheren Kleinen Festspielhaus, statt. Unter den Referenten finden sich u.a. der Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli, der am 21. Juli über Religion und psychische Gesundheit referiert, der Berliner Kulturwissenschaftler Thomas Macho, der am 23. Juli "zur Spiritualität in der Gegenwartskunst" spricht, und die deutsche Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die am 24. Juli die Spannung zwischen Rationalität und Mystik ausleuchtet.
(Programmdetails "Ouverture spirituelle": http://www.salzburgerfestspiele.at/konzert/ouverture-spirituelle-2013 bzw. "Disputationes" http://www.europainstitut.co.at/_pdf/Programmankündigung%20Disp2013_online.pdf)