Ägyptens Bischöfe: Jugend stärker einbeziehen
Ägyptens "junge Leute vom Tahrirplatz" müssen nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi in die politische Neugestaltung des Landes einbezogen werden. Das hat der Presseverantwortlicher der ägyptischen katholischen Bischofskonferenz, Pater Rafik Greiche, in einem Interview mit dem Hilfswerk "Kirche in Not" gefordert. Greiche sieht die Absetzung grundsätzlich positiv und will in ihre keinen Putsch erkennen. Wie das Hilfswerk am Freitag in Wien mitteilte, sei die Kirche "optimistisch" im Blick die politische Zukunft. Ein Ausschluss der Jugend wie nach der Revolution von 2011 müsse jedoch verhindert werden.
Gefordert ist laut Greiche nun die Kairoer Azhar-Universität als wichtigste islamische Institution des Landes. Sie solle "die von der Ideologie der Muslimbrüder irregeführten jungen Menschen auf den rechten Weg zurückführen". Denn sowohl Ägyptens Muslime als auch Christen seien "zwar religiös, jedoch nicht fundamentalisch".
Als "Putsch" sehe die katholische Kirche Ägyptens die Absetzung Mursis deshalb nicht, weil die handelnden Offiziere die Rückendeckung des Volkes hätten, so Greiche: "Die Armee wollte das Blutvergießen verhindern, mit dem die Muslimbrüder gedroht hatten. Deswegen hat sie eingegriffen."
Dass die Armee "den Willen des Volkes" ausgeführt habe, zeige sich "unmissverständlich" in den im Vorfeld gesammelten 22 Millionen Unterschriften gegen den Präsidenten sowie in den Massendemonstrationen der vergangenen Tage. Die islamistische Muslimbruderschaft, der Mursi angehört, sei nicht auf das Regieren vorbereitet gewesen. "Zudem ging es ihnen vor allem um die Aufrichtung eines islamischen Kalifats und nicht in erster Linie um Ägypten", so der Kirchensprecher.
Weil das Scheitern der Muslimbrüder allen offenbar geworden sei, bestehe Angst davor, sie könnten sich rächen und Unruhe schüren. Erste Fälle islamistischer Gewalt gegen christliche Einrichtungen - etwa gegen eine katholische Kirche bei Minya - habe es bereits gegeben, so Greiche.
Angst vor algerischem Szenario
Westliche Beobachter sind weniger optimistisch als die ägyptischen Kirchenvertreter und verweisen auf die Parallelen zu der Situation in Algerien Anfang der 1990er-Jahre. Bis zu den derzeitigen Ereignissen in Ägypten war dies das letzte Mal, dass die Armee eines großen arabischen Landes ein Islamistenbündnis stürzte.
In Algerien hatte die fundamentalistische Islamische Heilsfront (FIS) Ende 1991 mit großem Abstand die erste Runde der Parlamentswahlen gewonnen. Nach einem Staatsstreich durch das Militär sagte das neue Regime allerdings den zweiten Wahlgang ab, rief den Ausnahmezustand aus und ließ die FIS verbieten. Zur Begründung hieß es, man wolle einen offenen Aufstand verhindern. Die Folge waren jahrelanger blutiger Terror und staatliche Gegengewalt mit Zehntausenden Todesopfern.