
Präsident Zeman bei großen Cyrill-Method-Feiern
Vor 1.150 Jahren begann die Christianisierung der heutigen Tschechischen Republik: Daran wurde am Freitag bei einem kirchlichen Großevent in Velehrad erinnert, an dem auch Staatspräsident Milos Zeman teilnahm. Drei Kardinäle, 20 Bischöfe, mehrere Hundert Priester sowie rund 60.000 Gläubige, darunter auch Gruppen aus Österreich, feierten auf dem Platz vor der Basilika einen großen Gottesdienst zu Ehren der beiden Europa-Patrone und Slawenapostel Cyrill und Method.
Der heilige Cyrilll und der heilige Method, aus Griechenland stammende Brüder, hatten im Jahre 863 im heutigen Mähren ihre Missionsarbeit begonnen. Sie wurden darin sowohl vom Papst als auch vom oströmischen Patriarchen unterstützt.
Der heilige Method, von Papst Hadrian II. zum Erzbischof von Sirmium ernannt, starb am 8. April 865. Sein Grab befindet sich der Überlieferung nach in der Basilika von Velehrad. Große Feiern fanden am Freitag aber auch in Nitra (Slowakei) statt, das ebenfalls ein kyrillomethodianisches Missionszentrum war.
Den Vatikan repräsentierten in Velehrad als Legat Kardinal Josip Bozanic (Zagreb) sowie der Nuntius in der Tschechischen Republik, Erzbischof Giuseppe Leanza. Beide tschechische Kardinäle - Dominik Duka und Miloslav Vlk - konzelebrierten, gekommen waren auch die Präsidentin des Prager Abgeordnetenhauses Miroslava Nemcova, der scheidende Stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Karel Schwarzenberg, der designierte Ministerpräsident Jiri Rusnok, der stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Zdenek Skromach sowie die frühere First Lady Livia Klausova.
Als "Hausherr" verlas Erzbischof Jan Graubner zunächst jenen Teil der Grußbotschaft von Papst Franziskus, der die Entsendung seines Sondergesandten Bozanic betraf: "Überbringe allen Teilnehmern an diesem Fest und allen Anwesenden freundlicherweise unsere Worte und unsere Gunst, mit der wir auch alle Hirten umarmen, vor allem den Prager Erzbischof und Metropoliten Dominik Kardinal Duka, der seinen 70. Geburtstag feiert, sowie die ganze Gemeinschaft der Gläubigen."
Papstlegat Bozanic unterstrich in seiner Homilie die Aktualität des Erbes der "Brüder aus Thessaloniki". Cyrill und Method seien sich der "Wichtigkeit der Identität und Eigenart der slawischen Völker bewusst gewesen", ebenso jedoch hätten sie "den gemeinsamen Glauben im Schoß der Kirche geachtet, der verbindet und auf dem Eckstein Jesus Christus beruht". Sie lehrten "auch uns heute, wie wir die Gemeinschaft der europäischen Familie bauen und die Eigenheiten der einzelnen Völker und ihrer Kulturen schätzen sollen".
Am Ende seiner zur Gänze in tschechischer Sprache vorgetragenen Predigt erinnerte der kroatische Primas daran, dass die beiden Glaubensapostel "nicht nur die Grundlagen des christlichen Glaubens, sondern auch der Marienfrömmigkeit geschaffen" hätten". So sei es in seiner Heimat Kroatien, aber auch in Mähren, Böhmen und Schlesien gewesen.
"Auf beiden Lungenflügeln atmen"
Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte Cyrill und Method als "Mitpatrone" und Schutzheilige Europas proklamiert. Auf "beiden Lungenflügeln" müsse das christliche Europa atmen - so damals das berühmte Wort des Papstes -, "auf dem römisch-lateinischen und dem slawisch-byzantinischen".
Dauerhafte Wurzeln hatte das Werk der Slawenapostel ab dem 10. Jahrhundert zuerst in Bulgarien geschlagen. Dort gab Zar Boris den Schülern Methods, die nach dessen Tod vom Passauer Klerus aus Mähren vertrieben worden waren, eine neue Wirkungsstätte im heute mazedonischen Ohrid. Von dort aus trug das "Kyrillische Alphabet" das Christentum über Rumänien bis ins Gebiet der Kiewer Rus, und über Moskau bis an den Pazifik.
In ihrer Treue zu lateinischen wie zu byzantinischen Traditionen wirkten Cyrill und Method schon "ökumenisch" in einer Zeit, als die Christen in Ost und West noch zu einer einzigen Kirche gehörten, würdigen tschechische und slowakische Medien am Wochenende die Europapatrone.