
Nigeria: Nach Tötung von 30 Kindern verstärkter Armee-Einsatz
Nach dem jüngsten Attentat auf eine Schule in Nigeria will Präsident Goodluck Jonathan die Sicherheitsvorkehrungen in dem westafrikanischen Land verschärfen. Nigerianer wie Ausländer, die im Land leben, müssten besser vor terroristischen Angriffen geschützt werden, forderte der Präsident laut deutscher katholischer Nachrichtenagentur KNA am Sonntag zum "Tag der Nigerianischen Armee".
Gleichzeitig rechtfertigte Jonathan die Aufrechterhaltung des seit Mitte Mai geltenden Ausnahmezustands in den drei Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa. Mit Hilfe eines massiven Militäraufgebots sollen dort Anhänger der islamistischen Gruppierung Boko Haram bekämpft werden. Die Maßnahmen zeigten bereits Erfolge, so der Präsident. Kritiker befürchten jedoch, dass die Terroristen sich stattdessen lediglich in anderen Regionen niederlassen.
Am Samstag kamen in der Stadt Mamudo im Bundesstaat Yobe mindestens 29 Schulkinder und ein Lehrer ums Leben. Andere Quellen sprechen von bis zu 40 Toten. Die Angreifer, mutmaßlich Anhänger von Boko Haram, seien in den frühen Morgenstunden in das zur Schule gehörende Internat eingedrungen. Dort hätten sie zuerst Schüsse abgegeben und anschließend Feuer gelegt.
Bebachter gehen von einem Vergeltungsakt aus. Erst vor wenigen Tagen waren bei einem Militärangriff in der Stadt Dogon Kuka, die ebenfalls im Bundesstaat Yobe liegt, 22 mutmaßliche Boko-Haram-Mitglieder ums Leben gekommen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Anschläge auf Schulen gegeben.
In Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, geriet Mitte Juni eine Schule möglicherweise deswegen ins Visier, weil sich in der Stadt Jugendliche zusammengeschlossen hatten, um nach Mitgliedern von Boko Haram zu suchen und diese den Behörden auszuliefern.
Die islamistische Gruppe Boko Haram, was soviel heißt wie "westliche Bildung ist Sünde", gründete sich 2002, galt aber bis 2011 als lokales Phänomen, das nur im Nordosten Nigerias aktiv ist. Nach der Tötung ihres Gründers Mohammed Yusuf 2009 durch nigerianische Sicherheitskräfte radikalisierte sich die Gruppe. Seitdem wurden bei Anschlägen von Boko Haram im Norden Nigerias Hunderte Menschen getötet, darunter viele Christen. Die Terroristen kämpfen gegen westliche Einflüsse und streben in den überwiegend muslimisch besiedelten nördlichen Bundesstaaten einen islamistischen Gottesstaat an.
Der Norden des bevölkerungsreichsten afrikanischen Staates ist muslimisch geprägt, der Süden christlich. Insgesamt leben rund 162 Millionen Menschen in Nigeria.