
"Fachtagung Weltkirche": Papst stärkt "Flamme des Glaubens"
Papst Franziskus hat eine atmosphärische Verbesserung in der Kirche bewirkt und die "Flamme des Glaubens" gestärkt. So lautet das Resümee der im Stift Lambach am Sonntag zu Ende gegangenen Konferenz der weltkirchlich engagierten Ordensgemeinschaften und Missionswerke der katholischen Kirche in Österreich. Unter dem Leitwort "Die Flamme nähren" ging es bei der jährlich stattfindenden "Fachtagung Weltkirche" um neue Formen der Glaubensweitergabe inspiriert anhand von konkreten Beispielen aus Brasilien, Südafrika und Papua-Neuguinea.
Nach Meinung von Pater Franz Helm, Beauftragter für Berufungspastoral der Steyler Missionare in Österreich, stelle Papst Franziskus das "Hinfinden der Menschen zu einem geglückten Leben" über alles. Es sei ein großer Wille des Papstes spürbar, an "einer Kirche zu bauen, die im Dienst am Menschen und ihren Sehnsüchten und Bedürfnissen steht", so der ehemalige Generalsekretär der Päpstlichen Missionswerke in Österreich.
Die Theologin Anna Findl-Ludescher, eine der Referentinnen bei der Fachtagung, unterstrich, dass Papst Franziskus einen "atmosphärischen Wandel" eingeläutet habe. Die Menschen würden nun lieber über Vorgänge im Vatikan und in der katholischen Kirche sprechen, "weil die Freude stärker ist". Die Kräfte, welche "Lust haben am Feuer machen" werden durch den Papst gestärkt, weil dieser die existenziellen und gesellschaftlich brennenden Themen anspreche. Auch Heinz Hödl, Leiter der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission, zeigte sich davon überzeugt, dass der Papst hier "ein Feuer entzündet".
Lebendige Gemeinschaften zentral für Weitergabe des Glaubens
Als Mitveranstalter der Tagung resümierte Hödl, dass es ein klares Grundmuster hinsichtlich der Frage nach geglückter Glaubensweitergabe gebe: Zentral dafür sei das Wirken von kleinen, überzeugten Gemeinschaften, die dabei auch von Laien geleitet werden können. Von dieser Erfahrung in den Ortskirchen in den ehemaligen Missionsländern könne die Kirche in Europa lernen.
Pater Helm erklärte dazu, dass für ihn klar geworden sei, welch große Herausforderung die Erhaltung der "Flamme des Glaubens" darstelle. Die Realitäten seien hier sehr verschieden. Wenn man von der Religiosität der Menschen in Lateinamerika höre, müsse man sagen, dass das bei uns nicht mehr so sei. Hierzulande wenden sich die Menschen bei ihrer spirituellen Suche oft anderen Möglichkeiten zu, oder sie werden "areligiös". Das habe mit der Säkularisierung und einem naturwissenschaftlichen Denken, welches die religiöse Diskussion ausklammere, zu tun.
Kirche muss auf persönliche Begegnung setzen
Auch sei zu bedenken, dass die Kirche und andere große Institutionen, nicht mehr so wie früher funktionierten und mitunter "am Zerfallen sind". Von daher müsse die Kirche in die persönlichen Begegnungen mit den Menschen, die auf der Suche seien, mehr investieren. "Da reichen die Instrumente, die wir jetzt haben, oft nicht hin, oder wir haben Strukturen, die das verhindern." Oft säße beispielsweise "ein Priester im Beichtstuhl und wartet, dass jemand kommt". Und gleichzeitig gebe es im Krankenhaus Krisensituationen, wo Menschen sich aussprechen können und wo sie vielleicht auch dazu kommen, persönliche Schuld aufzuarbeiten. Eine sakramentale Lossprechung durch eine Krankenhausseelsorgerin sei dann aber nicht möglich, gab der Ordensmann zu bedenken.
Glaubensweitergabe: "Wahl statt Tradition"
Die Glaubensweitergabe im Kontext der säkularen Gesellschaft ist immer mehr von der persönlichen Wahl als von der Tradition geprägt. Das betonte die Theologin Anna Findl-Ludescher am Samstag bei der "Fachtagung Weltkirche" im oberösterreichischen Stift Lambach. Man müsse akzeptieren, dass die "selbstverständliche Verbindung zwischen politischer Macht und Religion gebrochen ist", so die Referentin bei ihrem Vortrag "Wahl statt Tradition. Heutige Chancen und Wege des Glaubens".
Wichtig sei, dass man "das vom Kopf ins Herz sinken" lasse und es gleichzeitig positiv sehe. Es gelte der Versuchung zu widerstehen, mit der "Folie der Vergangenheit" auf das zu sehen, "was nicht mehr ist". Findl-Ludescher erwähnte dabei eine Studie, nach der sich 67 Prozent der Bevölkerung als "distanziert religiös" bezeichnen würden. Diese Menschen haben zwar hin und wieder Kontakt mit Religion, sie würden aber nicht wollen, dass diese zum Grundmuster
ihres Lebens wird. Diese Gruppe positiv und wertschätzend zu sehen, sei für Findl-Ludescher sehr wichtig.
Quelle: Kathpress