
Schönborn: Jugendliche werden nach Rio ihre Heimat anders sehen
Die 560 heimischen Teilnehmer des Weltjugendtages in Rio de Janeiro werden künftig "unseren eigenen Wohlstand anders sehen": Das hat der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn in seinem Freitags-Kommentar der Tageszeitung "Heute" betont. Der Kardinal hob auch das Erleben einer "vitalen Kirche, die religiös tief verwurzelt und sozial voll engagiert" sei, hervor: Die jungen Pilger würden dadurch zum gelebten Christsein ermutigt, so Schönborn.
Laut dem Wiener Erzbischof, der derzeit selbst im Rahmen einer Südamerika-Reise Station bei dem katholischen Großereignis in Rio de Janeiro macht und hier u.a. Glaubensvorträge hält, gibt der Weltjugendtag den Jugendlichen viele Einblicke, "in die große Armut, aber auch in den kreativen Einsatz für die Armen".
Jesus als Lehrer
Vor Ort machte Schönborn am Donnerstag in seiner bisher zweiten Katechese vor deutschsprachigen Teilnehmern des Treffens die "Lebensschule" zum Thema: Die eigene Familie und das Beispiel der Eltern hätten für junge Menschen eine wichtige Funktion, zumal eine Lebensgemeinschaft - "eine echte, nicht nur eine lose Wohngemeinschaft" - mehr präge als alles andere. "Wir gehen sozusagen bei unseren Eltern in eine Lebensschule", so der Kardinal.
Ebenso lade Jesus alle Menschen ein, "in seine Lebensschule zu gehen und mit ihm mitzuleben", was ein ähnliches Verhalten wie jenes der Jünger in den biblischen Erzählungen bedeute. Konkret müsse man dazu "mit seinen Augen sehen, mit seinem Herzen fühlen und mit seinem Verstand denken. Wir müssten uns beständig fragen: Was würde Jesus tun?", erklärte der Kardinal. Mit eingeschlossen sei hier auch der Weg des oft "überfordernden" Kreuzes, ohne dem es jedoch "keine Nachfolge, kein Zusammenleben mit Jesus" gebe. Christsein bedeute, offen zu sein auch für das Leid, so sehr dies menschliches Denken auch vermeiden wolle.
Leben statt großer Worte
Schönborn hob das Zweite Vatikanische Konzil hervor, das von der der Berufung aller Getauften als "gemeinsames Priestertum" gesprochen habe. Dies bedeute nicht, "dass alle das Amtspriestertum bekommen", sondern die grundlegende Berufung eines jeden Christen. "Zuerst steht im Raum, ob man der Einladung Jesu folgt, erst dann wird die Frage nach einem besonderen Auftrag aktuell", stellte der Kardinal klar.
Sichtbar werde Nachfolge schließlich im Leben der Menschen. "Es geht nicht um großartige Worte. Ihr müsst gar nicht viel sagen, es reicht, wenn ihr euer Leben mit Jesus lebt", ermutigte der Kardinal die Jugendlichen. Papst Franziskus sei dabei ein hervorragendes Vorbild. Die Menschen würden ihn nicht lieben, weil er Papst sei, sondern weil er "ein echter Christ ist". Dies sehe er zugleich als schönstes denkbares Kompliment, so der Kardinal.
Durst nach Gott
Katechesen gibt in Rio auch der Grazer Weihbischof Franz Lackner. Bereits am Mittwoch warnte er davor, dass "übertriebene oberflächliche Aktivitäten" den "Durst nach Gott" überdecken könnten. Würde sich der Glaube im Leben verflüchtigen, bemerke man das Fehlen oft gar nicht. Man erliege jedoch viel leichter den beiden Versuchungen, "zu sein wie Gott und zu glauben, ohne ihn gut zurechtzukommen", sowie "sein zu wollen wie die anderen", so Lackner.
Jeder Mensch sei jedoch "einmalig" und "zutiefst auf Gott hin angelegt und mit nichts anderem letztendlich zu stillen", hob Lackner hervor. Bis zur "Begegnung mit Gott und untereinander", die erfüllende Freude schenke, sei der Mensch "sehnsüchtig, hoffend und dürstend" unterwegs.
Quelle: Kathpress