
"Macht und Wissen brauchen Verantwortung"
Mit dem Appell des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser, Wissen und Macht nicht zu missbrauchen, sondern im Interesse des Gemeinwohls verantwortungsvoll einzusetzen, sind am Sonntag die 82. "Salzburger Hochschulwochen" zu Ende gegangen. Wissen und Macht seinen "kein Garant für menschliche Erfüllung und Heil", vielmehr müsse Wissen für den "Aufbau der gerechten Ordnung der Gesellschaft" genutzt werden, so Kothgasser bei einem Gottesdienst im Salzburger Dom.
Bildung, die nicht funktional verkürzt oder "Spielball politischer Machtinteressen" ist, sondern auch Kunst, Religion und Kultur umfasst, sei "der Schlüssel sowohl zu einer gerechten Gesellschaft als auch zu einem erfüllten selbstbestimmten Leben". Neben dieser Bildung brauche der Mensch aber "ganz wesentlich auch emotionale Intelligenz, Weisheit des Herzens und ein Gespür für die Transzendenz, für das Größere, für die übernatürliche Dimension des Daseins", so der Salzburger Erzbischof.
Kritik übte Kothgasser an jeder Form des Macht- und Wissensmissbrauchs - sei es aus eigenem Gewinnstreben oder aus politisch-manipulativer Absicht. Wissen sei schließlich Macht - es könne daher "zum Heil des einzelnen Menschen und zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt werden, aber auch zu dessen Schaden missbraucht werden." Ein Beispiel für diese Gratwanderung sei etwa die Biomedizin, die zahlreiche Errungenschaften feiern konnte, die aber auch die "Vision vom Designerbaby" beflügelt. Ähnlich zweischneidig zeigten sich Macht und Wissen im Blick auf die Ökonomie, wo manches "Insiderwissen" zur Gewinnmaximierung einiger weniger geführt habe.
"Kultur des neuen Wissens"
Ihren akademischen Abschluss fanden die "Salzburger Hochschulwochen", die heuer unter dem Titel "Gefährliches Wissen" standen, mit einem Vortrag des Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, über die Veränderungen, die das Wissen im Zeitalter des Internets und des "Web 2.0" erfährt.
Plastisch werde dieser Wandel im Blick auf sein eigenes Feld, den Buchhandel als Ausdruck eines in Druckprodukte gegossenen Wissens. Auch wenn der Buchmarkt mit einem Umsatz von 9,5 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland relativ stabil bleibe, so habe sich doch der Fokus auch in dieser Branche ins Internet verlegt. Der stationäre Buchhandel werde - Stichwort "E-Book" - zukünftig keine große Rolle mehr spielen, so Honnefelder. Diesen Wandel gelte es als Herausforderung anzunehmen und eine "Kultur des neuen Wissens" zu etablieren.
"Neu" sei dieses Wissen insofern, als gerade im "Web 2.0" Autoren- und Urheberschaft zunehmend verwischt würden. Außerdem trage die Suchmaschinen-Kultur dazu bei, Wissen aus Bedeutungszusammenhängen vollständig herauszulösen. Eine Kultivierung dieser Form des Wissens würde laut Honnefelder bedeuten, die "Nicht-Reduzierbarkeit von Wissen auf Information" zu betonen. Wie jede Kultur, so bedürfe auch dieses neue, weil virtualisierte und globalisierte Wissen der Wertschätzung und des Schutzes und nicht der Ablehnung und der Angst.
Im kommenden Jahr werden sich die "Salzburger Hochschulwochen" dem Thema "Europa" widmen. Sie werden vom 28. Juli bis 3. August stattfinden. (Infos: www.salzburger-hochschulwochen.at)
Quelle: Kathpress