
Menschenrechtler melden Tod von in Syrien entführtem Jesuit
Der in Syrien entführte Jesuitenpriester Paolo Dall'Oglio soll nach Angaben von Menschenrechtlern getötet worden sein. Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat Irak und Levante" hätten den aus Italien stammenden Jesuiten in einem ihrer Gefängnisse umgebracht, wie die in London ansässige Syrian Observatory for Human Rights am Mittwoch laut deutscher katholischer Nachrichtenagentur KNA mitteilte. Die Menschenrechtler berufen sich auf die Aussagen von syrischen Aktivisten, die offenbar mit Dall'Oglio im Kontakt standen.
Bereits Montag hatte die arabische Website "Zaman Alwasl" von einer angeblichen Ermordung Dall'Oglios berichtet und regimetreue Agenten dafür verantwortlich gemacht. Der Jesuitenpater hatte in der Vergangenheit den syrischen Machthaber Baschar al-Assad mehrfach kritisiert. Vergangene Woche versuchte das italienische Außenministerium, mit den Entführern zu verhandeln. "Wir arbeiten intensiv daran, ihn nach Hause zu bringen", sagte Außenministerin Emma Bonino dem italienischen Fernsehsender Rai 1.
Der 58-jährige Dall'Oglio arbeitete seit 30 Jahren in Syrien. Dort setzte er sich besonders für die Ökumene und den christlich-islamischen Dialog ein. Wegen angeblicher Unterstützung von Rebellen wurde er laut Medienberichten im vergangenen Jahr aus Syrien ausgewiesen.
Ende Juli war Dall'Oglio während des Versuchs verschleppt worden, im Konflikt zwischen dschihadistischen Kämpfern und Kurden zu vermitteln. Dazu hatte er sich ins Quartier der Gruppe "Islamischer Staat Irak und Levante" in Rakka nahe der türkischen Grenze begeben. Der Jesuitenorden und Papst Franziskus hatten ihre Besorgnis über das Schicksal Dall'Oglios bekundet und seine Freilassung gefordert.