
Kopten in Österreich solidarisch mit Opfern
Die Koptisch-orthodoxe Kirche in Österreich hat sich in einem Schreiben solidarisch mit den Familien der auf der Halbinsel Sinai ermordeten Polizisten gezeigt. Man wolle den Familien der 25 getöteten Sicherheitskräften in Rafah das Beileid aussprechen, heißt es in dem Schreiben, das an erster Stelle von Bischof Anba Gabriel unterzeichnet ist. Am Montag waren zwei Busse mit Polizisten von Islamisten überfallen worden. 25 Polizisten wurden ermordet, zwei überlebten schwer verletzt.
Unterdessen haben Mitglieder der koptischen Gemeinde in Österreich die Gewalt und den Terror der Muslimbrüder in Ägypten aufs Schärfste kritisiert. "Wir warnen davor, dass die Gewalt und der Terror der Muslimbruderschaft durch ihre Organisationen in Österreich und Europa auch hier übergreifen könnten", hieß es in einer Presseaussendung der "Koptisch-österreichischen Organisation". Jegliche Gewalt in Ägypten gegen staatliche Einrichtungen, Privateinrichtungen sowie Kirchen und Moscheen werde strikt abgelehnt. Kein funktionierender Staat könne das Ausmaß an Gewalt, wie es in Ägypten von den Muslimbrüdern ausgeht, dulden und tatenlos zuschauen, hieß es. Ägyptens Staat habe deshalb nicht länger tatenlos zusehen können.
Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien wollte Georg Dawoud, Sprecher der Koptisch-österreichischen Organisation, daher auch nicht von einem Militärputsch sprechen. Die Absetzung von Präsident Mursi sei eine "Notwendigkeit gewesen, sonst hätte sich Ägypten in ein einziges Blutbad verwandelt", so Dawoud.
Zugleich mahnten die Koptenvertreter in Österreich ausdrücklich die staatliche Souveranität Ägyptens ein. Das ägyptische Volk müsse sich selbst ohne ausländische Intervention aus der Krise befreien. Die Problematik sei ausschließlich durch einen Dialog aller Beteiligten zu lösen, damit die Ägypter in Freiheit und Demokratie im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit leben. Von einem Religionskrieg oder gezielter Christenverfolgung in Ägypten wollten die Koptenvertreter nicht sprechen.
Dawoud: "Wir möchten, wie auch in Europa, in einem säkularisierten Staat leben, wo Religion und Staat getrennt sind." Nur in einem demokratischen freien Ägypten ohne Einfluss der Religion auf die Gesetzgebung bestehe die Chance auf friedliche Koexistenz von Menschen verschiedener Religionen.
"Gewalt gegen Christen ist gesteuert"
Der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Gemeinde in Deutschland, Anba Damian, sieht hinter der Gewalt gegen Christen in Ägypten einen zentralen Plan. Die Ausschreitungen seien nicht spontan, sondern von langer Hand vorbereitet, sagte er am Mittwoch in einem Deutschlandfunk-Interview, wie die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA berichtet. Dahinter steckten "Islamisten und die Spitze der Muslimbruderschaft, die es nicht aushalten, dass Christen das Recht haben wollen, miteinander auf demselben Boden mit ihnen zusammenzuleben".
Gewalt gegen Christen in Ägypten sei nicht neu, aber in der gegenwärtigen Intensität "außergewöhnlich", fügte der Bischof hinzu. Seit Präsident Anwar as-Sadat 1971 Ägypten zu einem islamischen Staat deklariert habe, stünden die Christen ununterbrochen Gewalt gegenüber. "Und keiner der Täter wird bestraft."
Unter Präsident Hosni Mubarak seien Christen ihre Rechte "durch seine Gnade, nicht durch die Kraft des Gesetzes" zugestanden worden, so der Bischof weiter. Derzeit sei die Übergangsregierung "sehr erschöpft". Damian zeigte sich aber zuversichtlich, dass "eine neue Verfassung, die die Rechte der Kopten im Heimatland Ägypten sichert, zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen kann".
Quelle: Kathpress