
Caritas: Bevorzugtes Asyl für syrische Christen legitim
Wenn es um die Aufnahme syrischer Flüchtlinge in Österreich geht, dann ist es legitim, die Christen besonders im Blick zu haben. Das hat Caritas-Auslandshilfechef Christoph Schweifer am Mittwoch im Gespräch mit "Kathpress" betont.
Grundsätzlich gelte, dass humanitäre Hilfe stets unabhängig von Nationalität, Religion oder politischer Überzeugung geleistet werden müsse. Bei der Aufnahme gelte es aber zu beachten, welche Perspektive die betroffenen Menschen in der Region haben. Und hier seien die Christen in Syrien als spezielle Gruppe zwischen den Fronten der Islamisten und des Assad-Regime besonders gefährdet. Schweifer wörtlich: "Insofern ist es legitim und wichtig, bei der Auswahl der Flüchtlinge auf die prekäre Situation der Christen Rücksicht zu nehmen. Gleichzeitig darf das aber nicht exklusiv gesehen werden."
Schweifer räumte ein, dass die Situation in Syrien und den Flüchtlingslagern in den Nachbarstaaten für alle Menschen dramatisch sei. Christen seien aber fast überall im ganzen Nahen Osten in einer schwierigen Situation und von Vertreibung bedroht. In Syrien drohten Zustände wie im Irak, wo es in bestimmten Teilen überhaupt keine Christen mehr gibt.
Dass Österreich nun 500 Personen aufnimmt, bezeichnete Schweifer als "ersten wichtigen Schritt". Die Caritas verbinde damit aber die Hoffnung, dass ein Resettlement-Programm folgen wird. Damit würde die gesamte Prozedur von der auswahl der Flüchtlinge bis zum Asylverfahren über das UNHCR laufen. Das sei derzeit leider noch nicht der Fall.
Innenministerin: Christen in Syrien besonders gefährdet
Erst am Dienstag hatte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner Kritik des Roten Kreuzes an einer vermeintlichen Bevorzugung einzelner Flüchtlingsgruppen zurückgewiesen. Weil Christen als religiöse Minderheit in Syrien besonders gefährdet und schutzbedürftig sind, aber nicht wegen vermeintlicher Privilegierung aus konfessionellen Gründen, erfüllten syrische Christen Kriterien für die Flüchtlingsaufnahme, stellte Mikl-Leitner mit Vertretern des UNO-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR, der zwischenstaatlichen Migrationsorganisation IOM sowie der katholischen und syrisch-orthodoxen Kirche zur Aufnahme der 500 schutzbedürftigen Syrien-Flüchtlingen in Österreich klar.
Der Chef des Wiener UNHCR-Büros, Christoph Pinter, sagte dazu im Anschluss an das Treffen im Innenministerium, Christ zu sein sei jedenfalls kein Ausschlussgrund. Christen zählten in Syrien zu einer religiösen Minderheit, auf die das primäre Aufnahmekriterium der "besonderen Hilfs- und Schutzbedürftigkeit" zutreffe, so der Chef des Wiener UNHCR-Büros, Christoph Pinter.
Pinter zeigte sich mit dem Gesprächsverlauf zufrieden: "Es ist wichtig, dass 500 Personen hier in Österreich Schutz und Unterstützung finden. Das ist es, was zählt".
Dass die Einstufung von Frauen, Kindern und Christen als besonders schutzbedürftig einer ungerechten Bevorzugung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen gleichkäme, wie der Rot-Kreuz-Vertreter Max Santner in dem Gastkommentar "Leiden Christen mehr unter Giftgas?" in der Tageszeitung "Der Standard" (Dienstag) kritisierte, wies die Innenministerin entschieden zurück: "Offensichtlich versucht hier so mancher zu negieren, dass auch Christen besonders gefährdet sind."
Der genaue Zeitpunkt für die Einreise der 500 Syrien-Flüchtlinge nach Österreich ist noch nicht fixiert. Man werde so schnell wie möglich vorgehen, so Mikl-Leitner nach dem Treffen von Dienstag.
Die Schutzbedürftigkeit von 500 Personen werde durch Mitarbeiter der Flüchtlingsorganisationen sowie der katholischen und syrisch-orthodoxen Kirche direkt vor Ort in den überfüllten Flüchtlingslagern rund um Syrien festgestellt. Syrer, die bereits in Österreich leben, sollen zudem die Möglichkeit erhalten, gefährdete Familienmitglieder nachzuholen.