
Schönborn: Christen in Syrien brauchen besonderen Schutz
Kardinal Christoph Schönborn hat im Blick auf die Asylgewährung für syrische Christen deren besondere Schutzwürdigkeit betont. Österreichs Bundesregierung habe sich "dankenswerter Weise" bereiterklärt, 500 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. "Syrische Christen werden dabei nicht bevorzugt, sondern sind eine besonders bedrohte Minderheit. Deshalb bedürfen sie eines besonderen Schutzes", schrieb Schönborn in seiner Freitags-Kolumne in der Gratiszeitung "Heute".
"Ruf für den Frieden"
Erneut erinnerte der Kardinal an den Aufruf von Papst Franziskus, am Samstagabend für den Frieden im Nahen Osten zu beten und fasten. Auch in ganz Österreich finden dazu am 7. September Friedensgebete in zahlreichen Kirchen, darunter auch im Wiener Stephansdom, statt. Dem päpstlichen "Ruf für den Frieden" würden zahlreiche Gläubige folgen, so Kardinal Schönborn. Eingeladen seien alle christlichen Kirchen, aber auch andere Religionen. Die Muslime in Syrien hätten bereits signalisiert, dass sie ebenfalls in ihren Moscheen beten wollen, wies Schönborn hin.
Der "dramatische Appell" des Papstes für den Frieden sei am vergangenen Sonntag erfolgt, dem 1. September, zugleich Jahrestag des Ausbruches des Zweiten Weltkriegs. Heute blicke die Welt gebannt auf den Krisenherd Syrien, so Schönborn: "Ist Friede noch möglich? Steht wieder ein Weltkrieg vor der Tür?"
Die Überzeugung des Kardinals: "Mit Gewalt lassen sich keine Probleme lösen." Als Vorbild nannte Schönborn Mahatma Gandhi, den "Vater und Vorkämpfer der indischen Unabhängigkeit", der ebenfalls für den Frieden gefastet habe. Gandhi habe Gewaltlosigkeit "als einziges Heilmittel" gesehen und eindringlich vor Gewalteskalation gewarnt mit dem Satz: "Auge um Auge - und die ganze Welt wird blind sein."
Orden legen besonderes Augenmerk auf Fasten-Aufruf des Papstes
Als "Chance für alle, die von der akuten Krise in Syrien betroffen sind und sich in deren Lösung in irgendeiner Weise persönlich einbringen möchten" sehen die Ordensgemeinschaften Österreich den Aufruf des Papstes, am Samstag für den Frieden in Syrien und der Welt zu beten, aber auch zu fasten. Die Orden schließen sich der Friedensinitiative an, verbringen den Samstag mit Gebet und Fasten, und sie laden dazu auch alle anderen Menschen ein, sagte Frauenorden-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer am Freitag. Sie legt dabei besonderes Augenmerk auf den Fasten-Aufruf des Papstes.
Es gehöre zum "Erfahrungsschatz" der Ordensleute, dass Fasten dem persönlichen und gemeinschaftlichen Beten eine besondere Tiefe verleihe, so die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden. Fasten sei dabei jedoch weder asketische Übung noch kosmetisches Mittel, sondern vielmehr Ausdruck dafür, dass das Gebetsanliegen mit besonderen persönlichen, sogar körperlichen Anstrengungen verbunden wird.
Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten droht
Mayrhofer hob zudem die interkonfessionelle und interreligiöse Dimension des Gebetstags für den Frieden hervor. Eine weltweite Solidarisierung über Religionsgrenzen hinweg sei "ein starkes Zeichen der Ermutigung für alle Entscheidungsträger, den Dialog aufzunehmen und ein militärisches Eingreifen noch einmal zu überdenken". Gemeinsames Beten und Fasten schaffe dafür eine "gute Grundstimmung".
Vielen Menschen sei bewusst, "dass ein Krieg in Syrien zu einem Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten werden kann und dass seine Auswirkungen globale Dimensionen haben werden", so die Ordensfrau. Viele Ordensgemeinschaften wüssten auch aufgrund ihrer internationalen Vernetzung aus eigenem Einsatz in Krisengebieten oder aus Erfahrungen von ihren Mitgliedern, wie verheerend sich Krieg auf die Menschen und ihre Lebensschicksale auswirke.
Quelle: Kathpress/red