
Katholischer Familienverband fordert von Regierung "nachhaltige Familienpolitik"
Der Präsident des Katholischen Familienverbands Österreich (KFÖ), Alfred Trendl, hat zwei Wochen vor der Nationalratswahl die künftige Regierung zu einer nachhaltigen Familienpolitik aufgefordert. "Eine gute Politik orientiert sich am kindlichen und elterlichen Wohlbefinden und zeichnet sich durch ein gelungenes Zusammenspiel von Geld-, Sach- und Steuerleistungen sowie Infrastrukturmaßnahmen aus", so Trendl in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". Zu den dringlichsten Anforderungen des KFÖ zählen die jährliche Wertanpassung aller Familienleistungen sowie die Berücksichtigung der Kinder im Steuerrecht. Gerade im letzten Punkt sei Österreich in Europa "an hinterster Stelle", mahnte der Präsident.
Familie stiftet sozialen Zusammenhalt
Familie sei der Ort, an dem sozialer Zusammenhalt gestiftet und Werte und Orientierung vermittelt werden. Entsprechenden der unterschiedlichen Lebensentwürfe brauche es aber passgenaue Rahmenbedingungen, damit diese Wertevermittlung in der Familie auch passieren könne, so Trendl. Das gelte vor allem für die Schnittstelle Familie und Beruf.
Ein entsprechendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen sei deshalb unerlässlich, heißt es in einem "Forderungskatalog", den der KFÖ anlässlich der Nationalratswahl erstellt hat. Neben der institutionellen Kinderbetreuung sollen auch Angebote von Tageseltern und Kindergruppen gefördert werden. Außerdem brauche es ein bundesweit einheitliches Rahmengesetz, das den Betreuungsschlüssel und die Ausbildung der Betreuer regelt. Nur so könne eine entsprechende Qualität gewährleistet werden.
"Wertorientierte Politik ist gefragt"
Im Schnittpunkt Familie und Beruf liegt auch der vom KFÖ geforderte "Papamonat". "Ein Hindernis für verstärkte Väterkarenz dürfte auch die Befürchtung der Väter sein, berufliche Nachteile zu erfahren." Hier sei vor allem der Arbeitgeber gefordert, die Mitarbeiter "aktiv zu ermuntern", die vielfältigen gesetzlichen Möglichkeiten für Eltern auch zu nutzen.
Die Stärke des KFÖ liege, so Trendl, vor allem in der "Parteiunabhängigkeit" des Verbands. Koalitionen mit verschiedenen Kräften in Politik, Kirche und der Gesellschaft könnten so geschmiedet werden. "Wertorientierte Politik ist gefragt, neue Ideen und Vorschläge für die Zukunft werden immer benötigt".
Gegen "de-facto-Redeverbot" über Abtreibungen
Am Rande des Gesprächs hat sich der Präsident auch zur Abtreibungsdebatte geäußert. Das "de-facto-Redeverbot" habe dazu geführt, dass sich viele Frauen alleine gelassen fühlen. "Es braucht einen gesamtgesellschaftlichen Dialog gerade auch mit Abtreibungsbefürwortern zu diesem Thema, das fast 40-jährige Beharren auf den jeweils eigenen Standpunkten hat nichts gebracht." Wichtig wäre auch eine Datenerhebung über Zahl der Abtreibungen, Alter der Mütter und Motive, um konkrete Maßnahmen überlegen zu können.
Quelle: Kathpress