
Zölibat: Bischof Zsifkovics offen für Diskussion
Offen für eine Diskussion des Pflichtzölibats hat sich der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics geäußert. Der Zölibat sei selbstverständlich kein Dogma "und über Dinge, die kein Dogma sind, kann, ja soll man diskutieren", so der Bischof in einer schriftlichen Stellungnahme.
Freilich seit der Zölibat auch keine "verkrampfte Erfindung blutleerer Gestalten", sondern habe eine lange und bedeutende Tradition. Zsifkovics: "Er geht nach neuesten Untersuchungen bis ins zweite Jahrhundert zurück und ist als Lebensform in der Kirche - als die Lebensform Jesu! - langsam gewachsen."
Dieser Lebensform und der damit verbundenen Bündelung menschlicher Lebensenergie verdanke nicht zuletzt die europäische Kulturgeschichte ganz außerordentliche Leistungen. Aber, so der Bischof: "Niemals war der Zölibat für jedermann geeignet bzw. lebbar."
Was den Zölibat zum Dauerthema macht, sei vor allem, dass manche Priester offensichtlich den Zölibat "gar nicht oder zumindest schlecht leben". Damit würden sie sich in einer Diskrepanz zwischen dem hohem Anspruch ihres Weiheversprechens einerseits und ihrer gelebten Praxis andererseits befinden und sich dem Ruf der Heuchelei aussetzen.
Zsifkovics: "Ich denke, die Kirche steht treu zu ihrem Gründungsauftrag, wenn sie einerseits den Zölibat als besondere Lebensweise Jesu hochhält und als ein wertvolles Glaubenszeugnis weiterhin schützt, andererseits aber diese Lebensweise niemandem leichtfertig zumutet, der sie nicht erfüllen kann."
Dies beginne damit, dass Priesteramtskandidaten oft nicht über die nötige Reife verfügen würden, die der zölibatäre Weg einem abverlangt. Zsifkovits: "Der Zölibat ist eine hochriskante Lebensform - sicher so riskant wie die Ehe! Die Mühsal, die Ehe wirklich konsequent zu leben, ist letztlich keine geringere."
Der Bischof warnt zugleich davor, sich von einer Abschaffung des Zölibats die Lösung aller kirchlichen Probleme zu erhoffen. Das grundlegende Problem einer weitreichenden Erosion des Glaubenslebens in der westlichen Welt würde dadurch nur marginal tangiert, das Problem des Priestermangels könnte dadurch statistisch anfänglich vielleicht verbessert werden, allerdings würde sich das Problem verlagern: hin zu geschiedenen Priestern.
Die weitere Rolle des Zölibats in der Kirche bedürfe daher auf Ebene der Weltkirche sicher "vertiefter und sehr schwieriger Überlegungen". Jede Diskussion müsse "im Dienst der Einheit der Weltkirche geschehen und mit Blick auf das Ganze - auch auf die anderen Sakramente, wie etwa die Ehe". Geduld sei jedenfalls angesagt, zeigte sich der Bischof überzeugt.
Quelle: Kathpress