
"Eine ernsthafte Anfrage an das eigene Gottesbild"
In einer "Atmosphäre des gegenseitigen Respekts" haben der Linzer Theologe Franz Gruber und der Wiener Philosoph Peter Kampits am Dienstag über das Verhältnis zwischen Atheisten und Gläubigen im oberösterreichischen Stift Schlägl diskutiert. Die Weltsicht von Agnostikern und Atheisten sei für Gläubige eine ernsthafte Anfrage an ihr eigenes Gottesbild, betonte Gruber im Rahmen der Dialogveranstaltung unter dem Motto "Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott? (Psalm 115,2)".
Der Dialog mit dem Atheismus in seinen verschiedenen Formen wäre ohne die kirchliche Selbstkritik, die mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingesetzt habe, nicht möglich gewesen, so Gruber laut einer Aussendung des Stiftes Schlägl (Mittwoch). Wegweisend sei die Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" gewesen. Seither bringe die Weltsicht von Agnostikern, überzeugten Gottesleugnern oder Protest-Atheisten für Gottgläubige eine ernsthafte Anfrage an ihr eigenes Gottesbild und seine etwaigen Zerrformen.
Glaubenszwänge, Dogmatismus, Herrschaftsreligion und Glaubenskriege in der Geschichte des Christentums müssten überwunden werden und die Zusammenarbeit mit anderen Religionen und Nichtgläubigen gefördert werden, betonte der Theologe. Im Mittelpunkt des Dialog der Weltanschauungen stehe eine humane Welt, die dem Menschen und der Erhaltung der Natur und Schöpfung diene. Ein Christentum, das sich auf seine jesuanischen Wurzeln besinnt, bringe viel an Gerechtigkeit und Zuwendung für Notleidende in die Gesellschaft ein, zeigte sich Gruber überzeugt - "ein Riesenpotenzial für eine humane Weltsicht, die vom Gottesglauben mit gestützt wird."
Der Gottesglaube leidet laut dem Wiener Philosophen Kampits weltweit an Desinteresse, weil er nicht bringe, was notwendig sei: die Förderung einer humanen Welt. Stattdessen gebe es "Ozeane von Leid", die einen allgütigen, allmächtigen und allwissenden Gott infragestellen würden. Den Kampf gegen Leid und für die Würde des Menschen alleine den Gläubigen aufzulasten, sei aber zu kurz gegriffen. Diese Bemühungen müssten vielmehr, vor einem Weltbild entfaltet werden, das auf Vernunft und Autonomie des Menschen aufbaut, so Kampits. "Auch ohne Religion und Gott bricht die Welt nicht zusammen." Jedoch kann auch säkulare Kraft entgleisen. Faires gegenseitiges Verstehen aller und aggressionsfreie Zusammenarbeit seien Zukunftsoptionen.
Quelle: Kathpress