
Kirche hat Künstler, Wissenschaftler und Literaten verloren
Die meisten zeitgenössischen Künstler befänden sind am Rande der Kirche oder bereits jenseits dieses Randes. Der unvergessene Künstlerseelsorger, Sammler und Mäzen, Akademikerpriester und begeisternde Prediger Otto Mauer habe in vielfacher Weise Brücken zu heute kirchlicherseits vernachlässigten Zonen geschlagen, erinnerte Schörghofer.
So habe er eine Galerie - die Galerie nächst St. Stephan - "aus dem Nichts gegründet". Und Mauer sei ein Charismatiker gewesen, der seinen Weg des weiten Horizonts immer weiter gegangen sei - bis hin zum deutschen Avantgardisten Joseph Beuys. Otto Mauer habe - so Schörghofer weiter - aber nicht nur Männer gefördert, sondern auch später berühmt gewordene Künstlerinnen wie Maria Lassnig oder Kiki Kogelnik.
An der Gedenkveranstaltung des Katholischen Akademikerverbandes - dessen erster Seelsorger Otto Mauer war - nahmen zahlreiche frühere Weggefährten Mauers, viele von ihm Inspirierte und auch geistige Erben des Wiener Priesters teil. Moderator Peter Pawlowsky fragte, warum man sich heute an einen Menschen erinnere, der vor 40 Jahren gestorben ist. Seine Antwort: Um Otto Mauer war etwas, das über Zeitgebundenheit hinausgeht und bis in die Gegenwart "herüberleuchtet". Auch Pawlowsky merkte zum geistigen Aderlass in der heutigen Kirche an, die "Propheten" seien in die Kunst abgewandert, weil sie in der Kirche nicht mehr geduldet worden seien.
Der Journalist Hubert Feichtlbauer bezeichnete Mauer als "ungeheuren Denkanstoßgeber", der Tore zum öffentlichen Geschehen jeder Art geöffnet habe. Als einer, der als "Mauer-Einreißer" fungierte, sei er die ideale Ergänzung zum "Aufbauer" Kardinal Franz König gewesen und sei die Personifizierung des Propheten gewesen.
Der Theologe und Journalist Franz Josef Weißenböck brachte Überlegungen zum Thema "Prophetische Rede heute" in die Veranstaltung ein. In seiner assoziativen Sammlung ließ er auch den Pop-Song "Sounds of Silence" des Duos Simon and Garfunkel aus dem Jahr 1967 nicht unerwähnt: In Paul Simons Text ist die Rede davon, dass die Worte der Propheten heute als Graffiti an den Wänden der U-Bahn-Stationen und an den Mauern der Mietshäuser stehen.
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