
Wege für globale Ernährungssicherheit
Verpflichtende globale Regeln für Landrechte und politische Weichenstellungen für bewußteren Fleischkonsum fordert Heinz Hödl, Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz, am Welternährungstag, der zugleich "Welthungertag" ist: "Der Wettlauf um fruchtbare Ackerflächen für Energiepflanzen ist mitverantwortlich dafür, dass trotz mehr als ausreichender Nahrungsproduktion alle drei Sekunden ein Mensch an Hunger stirbt", so Hödl am Mittwoch gegenüber "Kathpress".
Die weltweit steigende Nachfrage nach Agrosprit hat den Wettlauf um Land um die besten Ackerböden für den Anbau von Energiepflanzen mit angefacht. So diente 2012 nur knapp die Hälfte der weltweiten Getreideernte (47 Prozent) der menschlichen Ernährung. Der Rest war Tierfutter (34 Prozent), industrieller Rohstoff und Abfall (13 Prozent) sowie Sprit bzw. Bioethanol (6 Prozent). Zwar existieren Regeln für verantwortungsvolle Verwaltung von Boden- und Landnutzungsrechten, Fischgründen und Wäldern, die die 124 Mitgliedsstaaten des UN-Welternährungsausschusses 2012 beschlossen haben. Hödl: "Diese Regeln sind jedoch freiwillig."
Eine wesentliche Rolle beim Wettlauf um fruchtbare Ackerflächen spielt auch der Fleischkonsum. Problematisch sei hier, dass weder Österreich noch die EU genügend Eiweißfuttermittel produzierten, um den eigenen Bedarf für die Fleischproduktion zu decken, erinnerte Hödl: "Dies führt zu beträchtlichen Importen." 98 Prozent des Soja müssen für das europäische Vieh importiert werden, vor allem aus Argentinien, Brasilien sowie mit wachsenden Exportzahlen auch aus Paraguay und Bolivien.
Was die Lage zusätzlich verschlimmert, sind die vom Klimawandel verstärkten Dürren und Hitzen. "Klimawandel trifft alle, aber insbesondere Entwicklungsländer", betonte Hödl. Die Auswirkungen beträfen vor allem die Ernteerträge und damit auch die Ernährungssicherheit. Global ließe sich die Nahrungsmittelproduktion um fast 60 Prozent steigern, durch Einsatz angepassterer Sorten und besserer Anbaumethoden, besonders in Teilen Afrikas, Lateinamerikas und Osteuropas. Hödl: "Eine nachhaltige Ernährungssicherung kann jedoch nur gewährleistet werden, wenn Entwicklungsländer die Möglichkeit erhalten, ihre eigene Landwirtschaft zu stärken, die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und sich vor Preisschwankungen und Billigimporten auf den Weltagrarmärkten zu schützen."
Sowohl der Welternährungstag am 16. Oktober als auch der Tag der Armut am 17. Oktober stehen im Zeichen der weltweiten Anstrengungen für die Beseitigung von Hunger und Armut: Weltweit verarmen Bauern, hungern Menschen und alle drei Sekunden stirbt ein Mensch an Hunger oder Unterernährung. Die Zahl der hungernden Menschen ist in den letzten Jahren gestiegen, wenn auch langsamer als die Weltbevölkerung: 1990 waren es etwa 822 Millionen, heute leiden 854 Millionen Menschen an Hunger. Jährlich gibt es rund 8,8 Millionen Hungertote pro Jahr, wobei der Großteil davon Kinder sind.
Im starken Gegensatz dazu stehen Statistiken über die weltweite Verschwendung von Lebensmitteln: Jährlich werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weltweit verschwendet oder verderben auf dem Weg entlang der Wertschöpfungskette. Diese Menge würde nach Einschätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) ausreichen, um drei Milliarden Menschen zu ernähren.