
"Üben und lernen"
Bischofsvikar P. Michael Zacherl betonte in seiner Predigt beim gemeinsamen Gottesdienst am Freitagmittag im Stephansdom, dass jeder Einzelne von Christus gesendet sei, das Wort Gottes zu verkünden. Jesus verlange aber kein missionarisches Einzelkämpfertum, vielmehr gehe es darum sich gegenseitig zu unterstützen und den Weg gemeinsam zu gehen, auch in der Erzdiözese Wien.
Der Diözesane Entwicklungsprozess sei größer und weiter als die Strukturreform, das müsse man sich immer wieder bewusst machen, betonte Generalvikar Nikolaus Krasa im Rahmen der Diskussionen. Strukturen seien dabei zweitrangig. Derzeit sei man etwa bei den Pilotprojekten im Wiener Stadtdekanat Favoriten am "Üben und Lernen". Nachsatz: "Ich bitte um den Vertrauensvorschuss, so manches mit Wohlwollen aufzunehmen."
Zur Sorge vieler Delegierter, ob es noch flächendeckend Eucharistiefeiern in den einzelnen Gemeinden geben werde, bekräftigte Krasa: "Das Angebot an Eucharistiefeiern in der Erzdiözese Wien ist relativ groß." Laut einer Studie des Wiener Liturgiereferats hätten von 660 Pfarren nur etwa 16 Kirchen am Sonntag keine Eucharistiefeier sondern einen Wortgottesdienst. "Im weltkirchlichen Vergleich ist das eine sehr kleine Zahl", so Krasa.
Das Leben aus der Eucharistie werde immer das Zentrum der Kirche bleiben, so Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel. "Wir bemühen uns, dass möglichst wenige Kirchen am Sonntag ohne Eucharistie auskommen müssen." Doch auch Wortgottesdienste seien nicht zu unterschätzen, so Prüller-Jagenteufel: "Auch das ist eine Form, wie Christus in unserer Mitte gegenwärtig ist."
Von den Klöstern lernen
Abt Johannes Jung vom Wiener Schottenstift brachte Erfahrungen der Benediktiner ein: Eucharistie sei in den alten Klöstern eher selten gefeiert worden, das könne man aus der Regel des heiligen Benedikt herauslesen: "Das ist kein Vorbild für heute. Aber ich meine, man kann darüber gelassener reden", so der Abt. Außerdem seien nichtgeweihte Brüder in den Klöstern in allen Funktionen einsetzbar - außer als Abt.
Große Sorgen würden immer wieder im Blick auf die neue Leitungsstruktur der "Pfarre Neu" geäußert, berichtete Andrea Geiger von der Steuerungsgruppe der Diözesanreform. Von den künftigen ehrenamtlich Gemeindeleitern und Leitungsteams dürfe nicht das Gleiche zu erwarten sein wie von hauptamtlichen Priestern oder Pastoralassistenten. "Wenn wir das erwarten, machen wir uns gegenseitig fertig." Hier gelte es, mutig zu sein und zu erwarten, dass möglicherweise etwas ganz Neues entstehen kann: "Wir werden vieles ausprobieren müssen, wir müssen uns trauen."
Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/58057.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.