
Tagung über Edith Stein
Welchen Einfluss das zeitgenössische Umfeld der Heiligen Edith Stein (1891-1942) auf ihr Leben und Werk hatte, steht im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung der "Edith Stein Gesellschaft Österreich" am 25. und 26. Oktober in Wien. Eröffnet wird die Tagung mit einem Gottesdienst am Freitag, 25. Oktober, um 18 Uhr im Wiener Stephansdom, dem Kardinal Christoph Schönborn vorstehen wird. Den anschließenden Eröffnungsvortrag im Curhaus am Stephansplatz hält die Dresdner Religionsphilosophin Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz unter dem Motto "Denken im Zeichen der Erschütterung. Edith Stein in den Aufbrüchen der 20er Jahre."
Weitere Vortragende am Samstag, 26. Oktober, sind u.a. der deutsche Lehrer und Philosoph Rene Raschke, der Provinzial der Karmeliten in Deutschland P. Ulrich Dobhan und die polnische Philosophin Malgorzata Bogaczyk-Vormayr.
Im Rahmen der Tagung soll der Versuch unternommen werden, Leben, geistige und religiöse Entwicklung und Werk der Jüdin, Philosophin, Christin, Karmelitin und Märtyrerin Edith Stein in ihrer Einbettung in das zeitgenössische Umfeld zu verstehen. Die Zeit der Jugend Edith Steins sei eine Zeit der großen Aufbrüche und Entwicklungen gewesen, die sich mit den daraus resultierenden Fragen in ihrem Werk, ihren Briefen und ihrer - unvollendet gebliebenen - Autobiografie widerspiegeln, heißt es in einer Ankündigung zur Tagung.
Die Tagung wird von der Edith Stein Gesellschaft Österreich gemeinsam mit der Wiener Katholischen Akademie, dem Teresianischen Karmel in Wien und der Dompfarre St. Stephan veranstaltet. Sie ist Auftakt der "Edith-Stein-Tage" im Karmel Wien (1190, Silbergasse 35). Monatlich werden ab November Fragestellungen zu Leben und Lehre Edith Steins vertieft.
Die "Edith-Stein-Gesellschaft Österreich" wurde im Herbst 2012 gegründet. Ziel der Gesellschaft ist es, "die Erinnerung an Edith Stein - als Frau, Philosophin, Tochter des jüdischen Volkes, Christin und Karmelitin und ihre Verehrung als Heilige und Mitpatronin Europas zu wecken, wach zu halten und zu vertiefen". Die Gesellschaft will das philosophische, pädagogische und spirituelle Erbe Edith Steins erschließen, in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs einbringen und einer immer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.
Leben einer Heiligen
Edith Stein wurde 1891 als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Breslau (heute: Wroclaw) geboren. Sie studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Psychologie. 1922 trat sie zum katholischen Glauben über. Sie wurde Lehrerin am Lehrerinnenseminar in Speyer, das von Dominikanerinnen geführt wurde. Stein lebte wie eine Ordensfrau. 1933 trat sie in den Kölner Karmel "Maria vom Frieden" ein; ihr Ordensname lautete Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz.
Nach dem NS-Pogrom am 9. November 1938 konnte auch Stein mit ihrer jüdischen Herkunft nicht mehr in Deutschland bleiben. Sie floh nach Holland und lebte dort im Karmel in Echt. Mit der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen und nach der Verlesung eines Hirtenbriefs der katholischen Bischöfe 1942 in niederländischen Kirchen, in denen sie gegen die Judenverfolgung protestierten, wurde es auch hier gefährlich.
Am 2. August 1942 wurden Stein und ihre mittlerweile ebenfalls getaufte und zu ihr nach Echt gereiste Schwester Rosa verhaftet. Wenige Tage später wurden die Frauen in das KZ Westerbork und von dort nach Auschwitz gebracht. Edith Stein gehörte zu jenen Gefangenen, die sofort getötet wurden.
Papst Johannes Paul II. sprach sie 1987 bei seinem Deutschlandbesuch in Köln selig. 1998 wurde sie heiliggesprochen und ein Jahr später zur "Mitpatronin Europas" erhoben.
Infos zur Tagung und zu Edith Stein: www.edith-stein-gesellschaft.at