
KA Wien: Kein Abwarten auf Rom
Eine Aufschiebung der Wiener Diözesanreform im Abwarten eines neuen Strukturrahmens aus Rom hält der Präsident der Katholischen Aktion (KA) Wien, Walter Rijs, für "nicht zielführend". "Die Strukturreform ist eine Chance, die wir nützen müssen", so Rijs in einer Aussendung (Mittwoch). Er stellt sich damit gegen einen Vorschlag des Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner, der für eine Aufschiebung der Reform plädierte, bis Papst Franziskus neue Strukturen vorgibt, weil das eigentliche Kernproblem - der Priestermangel - nur weltkirchlich gelöst werden könne.
"Das, was uns die Diözese als Vorgabe gibt, ist ein Wechsel von 660 mehr oder weniger einzeln agierenden Pfarren zu rund 200 Pfarrnetzwerken mit Teilgemeinden. Diesen Rahmen gilt es nun von den Laien mit Ideen und Konzepten zu füllen", so KA-Präsident Rijs. Dadurch sollten "endlich auch wieder neue Menschen in diese Netzwerke kommen".
Der KA-Präsident verweist darauf, dass es nur in wenigen Pfarren große Jugendgruppen gebe und sich auch die Zahl der jungen Erwachsenen sehr in Grenzen halte. Dies liegt nicht nur an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern oft auch an unattraktiven Pfarrstrukturen. "Hier sind wir nun als Laien gefragt, im Rahmen der Strukturreform neue Wege zu finden". Vernetzung bzw. Zusammenarbeit setze strukturelle Veränderung voraus, sagte Rijs.
Das Ergebnis würden weder Gebilde wie die urchristlichen Gemeinden von vor 2.000 Jahren noch die Pfarrstrukturen des 20. Jahrhunderts sein, sondern müssten neue Formen sein, die zum zeitgemäßen Leben im 21. Jahrhundert passen. "Es liegt nun an uns, rasch mit vielen Experimenten zu beginnen, wie die Pfarrnetzwerke mit ihren Teilgemeinden gestaltet werden können", sagte Rijs. Die KA Wien habe sich bereits zur Frage der Gemeindeleitung einbracht.
Erzdiözese soll begleiten
Aber auch die Erzdiözese selbst müsse hier aktiver werden und den Reformfreudigen den nötigen Rahmen und die nötige Begleitung garantieren, forderte der Präsident der KA Wien. Außerdem brauche es bald Beispiele für funktionierende Pfarrnetzwerke und kleine selbstverwaltete Gemeinden. Die Blicke müssten dabei nach Amerika und in andere europäische Länder gehen, die ähnliche Sozialstrukturen haben und wo es solche Gemeinden seit längerem gebe. "Die von vielen oft bewunderten Basisgemeinden in Brasilien und anderen Ländern können dabei nur wenig helfen, weil sie sich aus einem vollkommen anderen sozialen Kontext entwickelt haben und in dieser Form in Österreich nicht anwendbar sind", so Rijs.
Aus den derzeit am meisten betroffenen Pfarren im 10. und 15. Wiener Gemeindebezirk sei bei der Diözesanversammlung "viel Tatendrang" spürbar gewesen, sagte der KA-Präsident. Werde die bisherige Unterstützung und Offenheit seitens der Diözesanleitung für die lokalen Prozesse fortgesetzt, so seien in den kommenden ein, zwei Jahren positive Beispiele zu erwarten. "Darauf müssen wir warten und nicht auf - vielleicht gar nicht kommende - Signale aus dem weit entfernten Vatikan", so der Präsident der KA Wien.