
Orden: Keine Angst vor Solidarität mit Flüchtlingen!
Zu einem angstlosen Einsatz der Kirche und Politik für Flüchtlinge haben die Teilnehmer der 4. "Romaria" aufgerufen. "Wie hoch muss die Zahl der Toten an den EU-Außengrenzen und in der Schubhaft noch ansteigen, bis seitens der Regierungen, der Bevölkerung und der christlichen Gemeinden endlich ein humanitärer Handlungsbedarf besteht?", heißt es in einem aktuellen Schreiben des Weltdorfs St. Gabriel der Steyler Missionare, des Don Bosco Flüchtlingswerks und der Pfarre Schwechat, die gemeinsam jedes Frühjahr die "Romaria"-Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen veranstalten. Angesichts des heutigen Flüchtlingsdramas in Europa seien Sensibilität, Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber Betroffenen dringend nötig.
Über 20.000 namentlich bekannte Menschen haben bisher den Tod gefunden, als sie in ihrer Notsituation versuchten, die EU-Außengrenze zu überwinden, geschätzte 10.000 weitere Opfer sind namenlos, erinnerten die "Romaria"-Veranstalter. Tausende Männer, Frauen und Kinder würden "wie Menschen zweiter Klasse" unmenschlich lange in Auffanglagern festgehalten und seien fremdenfeindlichem Terror ausgesetzt. "Wir stellen die berechtigte Frage: Wie wird in Österreich und Europa weiterhin Menschenrecht definiert und wahrgenommen?", heißt es wörtlich.
"Bedenklich" sei, dass die Notlage von Flüchtlingen selbst von kirchlicher Seite oft verdrängt werde. Zu oft würde man zurückscheuen, sich offen solidarisch zu Flüchtlingen zu bekennen, Andersgläubigen nahe zu sein und ihretwegen Konflikte auf sich zu nehmen. Dies geschehe aus Angst, etwa vor der ablehnenden Haltung in weiten Bevölkerungsteilen, vor dem Verlust "christlicher Tradition" oder vor Kirchenaustritten, so die Unterzeichner des Schreibens. Jedoch gehöre die Solidarität mit Notleidenden zwingend zum Christsein und sei "Kern christlicher Tradition und Lehre".
Die "Romaria"-Veranstalter wiederholten daher ihren Aufruf, die Kirche wie auch die Gesamtgesellschaft sollten sich mit der Not der Flüchtlinge auseinandersetzen, ihnen als gleichberechtigte Menschen begegnen, auch öffentlich Solidarität bekunden und konkrete Hilfe leisten. Als Beispiele wurden hier die Bewusstseinsbildung zur Flüchtlingsproblematik genannt, die Öffnung der kircheneigenen Häuser und Einrichtungen für die Unterbringung von Flüchtlingen, sowie deren Aufnahme in Bildungseinrichtungen oder Lehrbetrieben.
Quelle: Kathpress