
Pfarrer Pucher zufrieden mit erstem "Roma-Gipfel"
Als positives Zeichen, dass man bei bettelnden Roma vom Balkan "nicht mehr wie bisher wegschauen will", hat der Grazer "Vinzi"-Pfarrer Wolfgang Pucher den "Roma-Gipfel" am Mittwoch bewertet. Schon dass sich Vertreter von Politik, Behörden, Diplomatie und Kirchen auf Einladung der Grazer Vizebürgermeisterin und Sozialstadträtin Martina Schröck zu einem Rundem Tisch eingefunden hatten, um über die Frage des Umgangs mit den heuer in Graz vermehrt präsenten Roma aus Rumänien und Bulgarien zu beraten, ist für Pucher ein bemerkenswertes Novum, das über Graz hinaus Bedeutung habe. Die "Menschenrechtsstadt" Graz dürfe es nicht zulassen, dass Bettler in ihrem Bereich in unwürdigen Zuständen ihr Dasein fristen müssten, so der Ordenspriester nach dem Treffen im "Kathpress"-Interview.
Am Runden Tisch nahmen neben Pucher auch Vertreter der Caritas Steiermark, der Lokalpolitik, der zuständigen Behörden inklusive Polizei teil, weiters mit dem Problem befasste Fachleute aus Linz und Wien sowie Mitarbeiter der rumänischen und bulgarischen Botschaft teil. Damit sei erstmals auf hoher politischer Ebene ein "Netzwerk unterschiedlichster Beteiligter geknüpft" worden, freute sich der Leiter der Grazer Vinzenzgemeinschaft. Anlass waren Roma, die sich seit zwei Jahren immer wieder bettelnd in Graz aufhalten und teils im Dreck auf der Straße nächtigten.
Ergebnis des Runden Tisches soll ein standardisierter Ablaufplan sein, wie mit Roma in Graz menschenwürdig umzugehen ist: Eine Arbeitsgruppe soll klären, welche Anlaufstellen und Hilfen zur Verfügung stehen, aber auch, was von Graz aus nicht geleistet werden kann. Ein offenes Ohr bei Vizebürgermeisterin Schröck habe Pucher mit dem Vorschlag gefunden, nach dem Vorbild von Hostice in der Ostslowakei auch in der rumänischen Stadt Sfantu Gheorghe - woher derzeit die meisten Roma kommen - nachhaltige Hilfe und Arbeitsprojekte vor Ort anzubieten, berichtete der Pfarrer. Für Roma-Frauen mit Kindern kündigte Schröck eine interimistische Betreuungseinrichtung an.
Pucher hielte - wie er sagte - eine "Teilintegration" für sinnvoll: Betroffene sollten in Graz eine kostengünstige bzw. kostenlose Wohnmöglichkeit bekommen und ein Jahr lang Fuß fassen können, also Arbeit und eine Dauerwohnstatt suchen. In Graz lebten bereits rund 20 gut integrierte Roma, die sich durch Jobs, Wohnung und Bildungszugang eine Existenzgrundlage geschaffen hätten, weiß Pucher.
Dass Graz durch derartige Angebote weiteren Zuzug geradezu provozieren würde, lässt der engagierte Pfarrer nicht gelten. Dies hieße nämlich im Umkehrschluss, bereits hier befindliche Roma möglichst leiden zu lassen - quasi zur Abschreckung. Graz habe eine Verantwortung für alle, die hier leben, beharrt Pucher; erst recht dürften Frauen und Kinder nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden. Er werde es nicht zulassen, dass Notleidende "Weihnachten in einem Dreckloch zubringen müssen", versicherte der "Vinzi"-Pfarrer. "Wenn es sein muss, nehme ich sie mit in die Kirche."