
Thema Kirchenfinanzierung
Das Thema Kirchenfinanzierung ist mit der Finanzaffäre in der Diözese Limburg und der emotional geführten Diskussion rund um Bischof Tebartz-van Elst, aber auch mit dem von Papst Franziskus gesetzten Kontrapunkt einer "armen Kirche für die Armen" ein aktueller Dauerbrenner in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Institut für Kirchenrecht der Universität Wien greift dieses "heiße Eisen" auf und veranstaltet zum Thema der Kirchenfinanzierung in Österreich und Deutschland unter Berücksichtigung der aktuellen Ereignisse am 8. und 9. November an der Universität Wien die Tagung "Wenn das Geld im Kasten klingt". Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng wird am Samstag über "Perspektiven eines Diözesanbischofs auf die Fragen der Kirchenfinanzierung" referieren.
Der poinitierte Vers "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt" war infolge der Ablass-Kontroverse an der Sorbonne-Universität (1482) in Umlauf gebracht werden. Der Vers ging auf die rege Stiftungstätigkeit der Gläubigen ein, die von kirchlichen Amtsträgern weidlich gefördert wurde.
Die Worte standen auch auf dem sogenannten "Tetzelkasten", der für das Sammeln der Erlöse aus dem Ablassverkauf eingesetzt wurde. Der bekannte Dominikanerpater und Ablassprediger Johann Tetzel (1460-1519) soll den Kasten auch noch mit einem Teufel bemalen haben lassen, der die armen Seelen im Fegefeuer quält.
Die zweitägige Konferenz, zu der die Universität Wien in Zusammenarbeit mit dem Institut für praktische Theologie (Fachbereich Kirchenrecht) der Universität Innsbruck lädt, beginnt am Freitag um 9 Uhr im Uni-Hauptgebäude am Ring mit einem Vortrag des deutschen Staatsrechtlers und Leiters der Dresdner Forschungsstelle "Recht und Religion" Arnd Uhle zu "Erscheinungsformen der Kirchenfinanzierung in Europa". Der Theologe, Kirchenrechtler und Mitherausgeber des "Lexikons für Kirchenrecht", Stephan Haering, wird anschließend das Kirchensteuersystem in Deutschland beleuchten.
Die Kirchenfinanzierung und das Kirchenbeitragssystem in Österreich nimmt der in Innsbruck lehrende Theolge und Kirchenrechtler Wilhelm Rees unter die Lupe. Am Nachmittag nimmt der Leiter des Kirchenbeitragsdienstes der Erzdiözese Wien, Wolfgang Paset, zum "Kirchenbeitrag in der täglichen Praxis" Stellung. Der Leiter der bischöflichen Kanzlei in St. Gallen, Claudius Luterbacher-Maineri spricht anschließend über die Kirchenfinanzierung in der Schweiz.
Der Konferenztag am Samstag beginnt um 9 Uhr mit dem Vortrag von Diözesanbischof Klaus Küng. Im weiteren Verlauf kommen primär Doktoranden zu "Alternative Modelle der Kirchenfinanzierung" und Modellen der Kirchenfinanzierung in Afrika zur Sprache. Zudem wird der Kirchenrechtler Christoph Ohly von der Theologischen Fakultät Trier die programmatische Intention von Papst Franziskus nach einer "armen Kirche für die Armen" aufgreifen und eine kritische Anfrage an das kirchliche Vermögensrecht stellen. Die im Hauptgebäude der Universität Wien tagende Konferenz endet gegen 13 Uhr mit einer Diskussionsrunde.