
Landau neuer Caritas-Präsident
Landau ist seit 1. Dezember 1995 Caritasdirektor der Erzdiözese Wien. Er wurde am 23. Mai 1960 in Wien als zweites Kind eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter geboren. Zwischen 1978 und 1988 studierte und dissertierte Landau an der Universität Wien im Fach Biochemie. Während seiner Studienzeit trat er in die katholische Kirche ein und wurde 1980 getauft. 1986 begann er das Studium der katholischen Theologie in Wien und Rom und trat 1988 ins Priesterseminar ein. 1999 schloss Landau auch dieses Studium mit dem Doktorat ab. 1992 wurde er zum Priester geweiht.
Im November 2006 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Monsignore. Seit 2008 ist Michael Landau Mitglied des Domkapitels von St. Stephan. Zwischenzeitlich war er auch Vorsitzender der Rechtskommission der Caritas Internationalis.
"Menschen am Rand der Gesellschaft beistehen"
In einer ersten Reaktion zeigt sich Landau hocherfreut über seine Wahl: "Ich danke allen für das große Vertrauen, das mir mit dieser Wahl entgegengebracht wird. Ich werde meine ganze Kraft und Freude aufbringen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden." Auch in Zukunft müsse es darum gehen," Solidarität und Nächstenliebe in der täglichen Caritasarbeit zu leben und Menschen am Rand der Gesellschaft und am Rand des Lebens beizustehen und auf ihre Not aufmerksam zu machen". Ganz gleich, "ob es um obdachlose Menschen in Österreich oder um die vielen Opfer auf den Philippinen geht, die der Wirbelsturm Haiyan dieser Tage gefordert hat".
Die Caritas werde auch in Zukunft ein Seismograph in der Gesellschaft sein - "ein Seismograph, der immer dann ausschlägt, wenn Unrecht geschieht, wenn Menschen in Not geraten oder von Katastrophen betroffen sind - in Österreich, aber auch in anderen Teilen der Welt", versicherte Landau.
Erstes Interview mit Michael Landau
Deshalb wolle er sich auch gleich mit einem Hilfsappell an die Menschen in Österreich wenden, so der neue Caritas-Präsident: "Helfen Sie den Menschen auf den Philippinen, so wie sie den Hochwasseropfern in Österreich geholfen haben, und spenden Sie angesichts dieser unvorstellbaren und dramatischen Not, die dort besteht!"
Scheuer würdigt Landau und Küberl
Manfred Scheuer, Bischof der Diözese Innsbruck und in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Caritas zuständig, sagte in einer ersten Reaktion auf die Präsidentenwahl: "Caritas ist Wesensmerkmal der Kirche, und mit Michael Landau haben wir nun einen Präsidenten, der den Grundauftrag des Evangeliums seit vielen Jahren in die Realität umsetzt." Landau habe schon bisher gezeigt, "dass ein Vertreter der Kirche auch immer ein Vertreter der Menschen in Not sein muss".
Zugleich wolle er auch nochmals dem scheidenden Präsidenten Franz Küberl danken, so Scheuer: Dieser habe in den 18 Jahren seiner "nicht nur die Caritas geprägt, sondern maßgeblich die österreichische Sozialpolitik mitgestaltet".
Küberl: Weichen für Caritas-Zukunft stellen
Franz Küberl war nach 18 Jahren als Caritaspräsident am Mittwoch nicht mehr zur Wahl angetreten. Es sei Zeit, "die Weichen für die Zukunft der Caritas neu zu stellen, und ich freue mich, dass mit Michael Landau jemand gefunden wurde, der das großartig machen wird", so Küberl wörtlich: "Gemeinsam ist uns als Caritas in den vergangenen Jahren vieles gelungen - etwa wenn ich an die Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung oder die Einführung der staatlichen Grundversorgung denke. Gleichzeitig ist aber klar: Vieles bleibt zu tun."
Der Druck auf die Menschen steige, so Küberl, der weiterhin steirischer Caritasdirektor bleiben wird: "Eine Million Menschen in diesem Land sind arm oder akut armutsgefährdet. In ihren Dienst muss sich die Caritas, muss sich vor allem aber auch die nächste Bundesregierung stellen."
Offizielle Amtsübergabe am 28. November
Peter Klinger, Caritasdirektor in Vorarlberg, sagte in einer ersten Stellungnahme stellvertretend für alle Caritasdirektoren: "Die Österreichische Caritas besteht aus neun diözesanen Caritasorganisationen, die alle regional sehr verwurzelt sind. Mit Michael Landau haben wir nun wieder einen starken überregionalen Fürsprecher für unser gemeinsames Anliegen, nämlich Menschen in Not zu helfen."
Landau selbst bedankte sich in seiner ersten Stellungnahme nach der Wahl auch bei seinem Vorgänger: "Bei Franz Küberl bedanke ich mich von Herzen für sein großes Engagement und seinen leidenschaftlichen Einsatz in den vergangenen 18 Jahren." Küberl sei ein "Unbequemer, der sich in all den Jahren in den Dienst von Menschen in Not gestellt hat", so Landau: "Unser aller Ziel muss lauten, diesen Weg - den Weg, den zuvor auch schon Helmut Schüller und Prälat Leopold Ungar eingeschlagen haben - konsequent fortzusetzen."
Während die offizielle Amtsübergabe am 29. November stattfindet, werden Franz Küberl und Michael Landau bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag, den 18. November, auf die sozialen Herausforderungen eingehen, vor denen Österreich, aber auch ganz Europa steht. Die Pressekonferenz findet um 10 Uhr in der "Zweiten Gruft" der Caritas der Erzdiözese Wien, in der Lacknergasse 98 statt.
Bischof Kapellari würdigt Küberl
Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari würdigte den nun ehemaligen Caritas-Präsidenten Franz Küberl und dankte ihm für seinen "profunden und unermüdlichen Dienst". Küberl sei in den vergangenen 18 Jahren als Präsident der Caritas inmitten von Kirche und Gesellschaft in Österreich" gestanden, und habe sich "bis an die Grenzen der Erde" engagiert. "Er hat beispielhaft vorgelebt, dass Kirche nicht ohne Caritas und Caritas nicht ohne Kirche sein kann, weil Gottes- und Nächstenliebe untrennbar zusammengehören", betonte Bischof Kapellari in einer Stellungnahme am Mittwoch.
Küberl, der seit 1994 Direktor der Caritas der Diözese Graz-Seckau ist und weiter bleiben wird, habe sich in den vielen Jahren seines Wirkens hohes Ansehen erworben, "sowohl bei Menschen, die ihm voll zustimmen, wie auch bei solchen, die ihm in manchem kritisch gegenüberstehen", so der Bischof. Küberl habe als "frommer und glaubhafter Christ" überzeugend vermittelt, dass Caritas nicht nur eine Organisation inmitten der Kirche sei, sondern ein "Dauerauftrag für jeden ernsthaften Christen". Der Kommunikator Franz Küberl tue dies "besonders auch auf dem Areopag der Medien".
Der Grazer Bischof zeigte sich überzeugt, dass Küberl weiterhin "viel Kraft und Ausdauer" für sein Amt als Direktor der Caritas seiner Diözese aufbringen werde können, und wünschte ihm "viele weitere gesegnete Jahre 'in medio ecclesiae' und inmitten der Zivilgesellschaft".
Das Lebensbeispiel des von den Nationalsozialisten hingerichteten Priesters Carl Lampert, dessen Seligsprechung sich am Mittwoch zum zweiten Mal jährt, stellte der Feldkircher Bischof Benno Elbs ins Zentrum seines Impulsreferates vor den im Vorarlberger Bildungshaus Batschuns versammelten Caritasdirektoren. Der Märtyrer habe "bis in den letzten Atemzug seines Lebens daran geglaubt, dass Gott mit ihm ist". Diese Haltung - "nichts kann uns trennen von der Liebe Christi" - sei auch maßgeblich für die Arbeit der Caritas als eine Institution, die das "Gottesgerücht" wachhalte.