
Kamillianer arbeiten mit Justiz zusammen
Der Kamillianer-Orden hat nach der Verhaftung seines Generaloberen und Ermittlungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten seine Bereitschaft zu einer engen Zusammenarbeit mit der italienischen Justiz bekundet. "Wir wollen, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt und stehen dem Gericht zur Verfügung", sagte Generalvikar Paolo Guarise in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Avvenire" (Mittwoch). Sein Orden wolle Transparenz. Zugleich wies Guarise Mutmaßungen zurück, die Verhaftung des Generaloberen stehen im Zusammenhang mit internen Machtkämpfen im Orden. Der zweite Mann in der Ordensleitung wandte sich zudem gegen Spekulationen, der Vatikan könnte die Kamillianer einem Kommissar unterstellen.
Die italienische Polizei hatte den Generaloberen des Kamillianerordens, Renato Salvatore, in der Vorwoche in Rom verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Italiener vor, im Mai die vorübergehende Festnahme und Vernehmung von zwei Ordensangehörigen durch zwei bestochene Finanzpolizisten arrangiert zu haben. Nach Auffassung der Ermittler wollte er dadurch verhindern, dass die beiden an der Generaloberen-Wahl teilnehmen und gegen ihn stimmen.
Komplize des Generaloberen soll der Steuerberater des Ordens, Paolo Oliverio, gewesen sein. Er sowie drei weitere Verdächtige waren ebenfalls verhaftet worden. Zudem stießen die Ermittler auf finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Ordensverwaltung. Nach Angaben des "Avvenire" sollen 10 Millionen Euro in die Schweiz gebracht worden sein.
In dem Interview sagte Guarise weiter, dass der verhaftete Generalobere im Mai mit drei Stimmen Mehrheit gewählt worden sei. Die fingierte Vernehmung der beiden Kamillianer habe somit keinen Einfluss auf den Ausgang der Wahl gehabt. Mit Blick auf Spekulationen über ein vatikanisches Kommissariat für den Orden sagte Guarise, der Präfekt der Ordenskongregation, Kardinal Joao Braz de Aviz habe ihn in einem Gespräch ermutigt, den Weg der Transparenz und Zusammenarbeit mit der Justiz weiter zu gehen. Er nehme deshalb an, dass der Vatikan selbst keine Maßnahmen ergreifen werde.
Orden vor allem in Krankenpflege engagiert
Der 1591 vom Heiligen Camillo de Lellis gegründete Kamillianer-Orden engagiert sich vor allem in der Krankenpflege. Weltweit unterhält er Krankenhäuser, Gesundheitsstationen, Lepradörfer und Aids-Zentren. Hinzu kommen Ausbildungsinstitute und Universitäten für Ärzte und Mitarbeiter im Gesundheitsdienst. Den Kamillianern gehören nach eigenen Angaben rund 1.200 Ordensmitglieder an. Im Mai 2007 wurde Salvatore zum Generaloberen des Ordens gewählt.
In Österreich begann der Orden 1906 mit der Krankenseelseelsorge im Altersheim Lainz (heute Geriatriezentrum am Wienerwald) - mit 5.000 Plätzen damals das größte Altersheim auf dem europäischen Kontinent. Gegenüber entstand 1909 als erste Niederlassung das Kamillianerkloster Wien. Bald kam die Seelsorge in fast allen Wiener Krankenanstalten hinzu. Zeitweise übten die Ordensmänner mit dem markanten roten Kreuz auf dem Ordensgewand in 18 Wiener Spitälern die Krankenseelsorge aus. Zentren des Ordens in Österreich sind Wien und Salzburg. Heute arbeiten die 20 Kamillianer in Österreich als Seelsorger in acht Krankenhäusern und Altersheimen in Wien, Oberösterreich und Salzburg.