
"Landau kann mit meiner Unterstützung rechnen"
Erfreut über die Wahl von Michael Landau zum neuen Caritaspräsidenten hat sich am Mittwoch Kardinal Christoph Schönborn gezeigt. Er sei mit der bisherigen Arbeit Landaus als Wiener Caritasdirektor "hochzufrieden" und zugleich überzeugt, dass dieser sein künftiges Amt ebenso umsichtig und kompetent ausführen werde wie sein Vorgänger Franz Küberl, so der Wiener Erzbischof. Landau könne auch weiterhin mit seiner Unterstützung rechnen.
Landau sei "zäh, hochintelligent und sehr menschlich" und er besitze die Gabe, "das Unangenehme zur Sprache zu bringen". Schönborn: "Ein Caritaspräsident muss immer auch lästig sein und an jene Not erinnern, die wir nur allzu gerne vergessen und wo wir wegschauen". Dafür ernte Landau zwar nicht nur Lob, "aber das erwarte ich mir von einem Anwalt der Armen und Notleidenden", so der Kardinal wörtlich gegenüber "Kathpress".
Reaktion von Kardinal Schönborn
Caritas muss unbequem sein, weil sie als "Nächstenliebe ohne Wenn und Aber" den "Finger in gesellschaftliche Wunden" zu legen hat. Das betonte der neue Caritas-Präsident Michael Landau im Gespräch mit "Kathpress". In die Pflicht nahm er auch die künftige Regierung. Denn Landau befürchtet, dass die sozialen Auswirkungen der Wirtschaftskrise zunehmen werden. "Armutsbekämpfung und -vermeidung muss deshalb einen ganz hohen Stellenwert auch im Regierungsprogramm haben", appellierte der neue Caritas-Präsident. Zukünftige Aufgaben könnten nur bewältigt werden, wenn "wir zusammenstehen und auf die Schwächsten nicht vergessen".
Eine "Mutinjektion für die österreichische Politik" sei ebenso gefordert wie die Bereitschaft und Fähigkeit, Visionen zu entwickeln. Es brauche eine breit geführte Diskussion über die Frage, "ob wir eine Gesellschaft wollen, in der zunehmend mehr Menschen nicht mehr wissen, wie sie den Alltag aus eigener Kraft bewältigen können, oder ob wir eine Gesellschaft wollen, in der Menschen füreinander Verantwortung übernehmen", so Landau. Es gehe nicht um Neiddebatten, die immer fruchtlos seien, sondern darum, den Blick zu schärfen für die Aufgabe, Not und Ungerechtigkeit von ihren Ursachen her zu bekämpfen.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird laut Landau auch hierzulande zunehmend größer, wenngleich Österreich grundsätzlich über einen "guten Grundwasserspiegel der Mitmenschlichkeit und der Nächstenliebe" verfüge. Die Armen sollten nicht vergessen werden; die Kosten für die Rettung einer "Kärntner Pleitebank" dürfe nicht zu ihren Lasten gehen. Wichtige gesellschaftspolitische Themen seien auch die "Not der Einsamkeit" sowie die Zukunftsthemen Pflege und Bildung. In diesem Zusammenhang hofft der neue Caritaspräsident, "dass es rasch zu einer handlungsfähigen Regierung kommt", die diese Probleme auch angehen. Für die Caritas sei der Grundauftrag "Not sehen und handeln" ein bleibender und zugleich aktueller.
Im europäischen und internationalen Vergleich habe sich gerade angesichts der Wirtschaftskrise gezeigt, dass sich der österreichische Sozialstaat bewährt. Dieser gehöre gestärkt, nicht geschwächt, forderte Landau. Konkret gehe es etwa um die Weiterentwicklung der Mindestsicherung oder um die Schaffung von leistbarem Wohnraum. "Denn rund 300.000 Menschen in Österreich leben in Wohnungen, die sie nicht angemessen warm halten können. Wenn die Kirche hier nicht mehr mahnt, wer soll es dann tun", so Landau.
Pfarren sind "Kraftwerke der Solidarität"
Die Stärke der Caritas sieht der neue Präsident der Caritas Österreich und langjährige Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien im engmaschigen Netzwerk und der dichten Präsenz vor Ort und bei den Menschen. "Ich denke hier an das dichte Netz der rund 3.000 Pfarrgemeinden Österreichs. Das sind Kraftwerke der Solidarität, Kraftwerke der Nächstenliebe", so Landau. Die Aufgabe des Caritas-Präsidenten liege vor allem in einer "Sprecherfunktion", um die Anliegen der Caritas in der Öffentlichkeit deutlich zu machen und zu artikulieren.
Die Caritas sieht Landau als "Seismographen für gesellschaftliche Entwicklungen", sie habe ihren Platz an der Seite der Armen, und zwar "in ganz konkreter Hilfe für konkrete Menschen - ob in Sozialberatungsstellen, Obdachloseneinrichtungen, Mutter-Kind-Häusern oder in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen". Er wolle diese Haltung in Solidarität für die Armen und Verfolgten, wie sie bereits von seinen Vorgängern Leopold Unger, Helmut Schüller und Franz Küberl vertreten worden sei, fortsetzen.
Er habe bereits in den vergangenen Jahren intensiv mit Franz Küberl zusammengearbeitet, "etwa wenn ich an Fragen der Mindestsicherung oder der Grundversorgung denke", aber auch beim gemeinsamen Einsatz mit Kardinal Franz König für das Hospizwesen, was schließlich zu einer parlamentarischen Enquete und einem einstimmigen Entschluss im Nationalrat zur Hospizarbeit in Österreich geführt habe. "All das macht deutlich, dass wir nur im Miteinander viel bewegen können", betonte Landau.
Quelle: Kathpress