
Sant'Egidio kritisiert Friedensbewegung
Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio hat ein stärkeres zivilgesellschaftliches Engagement für Frieden in Syrien gefordert. Es sei im Unterschied zur Friedensbewegung in den 1980er- und 1990er-Jahren oder den Initiativen gegen den Irakkrieg bislang kaum vorhanden, kritisierte der Generalsekretär von Sant'Egidio, Cesare Zucconi, am Dienstagabend in Berlin. Zugleich hob er den Einsatz von Papst Franziskus hervor. Dessen Gebetsinitiative und Worte hätten wesentlich dazu beigetragen, dass es nicht zu einem militärischen Eingreifen der USA mit ungewissem Ausgang gekommen sei. Zucconi äußerte sich im Rahmen des "Religionspolitischen Ateliers" der Berliner Humboldt-Universität.
Die 1968 in Italien gegründete kirchliche Bewegung Sant'Egidio erwarb sich besondere Verdienste für die Beilegung kriegerischer Auseinandersetzungen auf diplomatischem Weg. Sie ist inzwischen in zahlreichen Ländern verbreitet. Sie engagiert sich im Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzungen, für eine Ächtung der Todesstrafe sowie im interreligiösen Dialog und der Ökumene. Die Gemeinschaft zählt derzeit mehr als 60.000 Mitglieder in 73 Ländern.
Zucconi konstatierte eine "große internationale Ohnmacht" in der gesamten Krisenregion des Nahen Ostens. Besorgt äußerte er sich auch über die Rückkehr von Konflikten innerhalb von Gesellschaften. Diese Entwicklung werde sowohl vom Versagen der Politik wie von wachsenden populistischen Strömungen begünstigt. Ursächlich seien oft Armut und soziale Ungleichheit. Krieg und Frieden entstünden aber "im Herzen des Menschen". Sie seien nicht gleichsam zwangläufige Ergebnisse bestimmter äußerer Strukturen. Deshalb könne der Frieden auch nicht allein der Politik überlassen bleiben. Gefragt sei der Einsatz der Zivilgesellschaft und letztlich jedes Einzelnen.