
Marx warnt vor Rechtspopulismus
Die Bischöfe in der EU sind besorgt über das Erstarken der rechtspopulistischen Parteien in Europa. Bei der bis Freitagabend in Brüssel abgehaltenen Vollversammlung der Kommission der Bischöfe der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) wurde unter anderem über dieses Thema gesprochen, wie die italienische katholische Nachrichtenagentur SIR berichtet. ComECE-Präsident Kardinal Reinhard Marx (München) habe am Mittwoch in Brüssel die Diskussion über ein geplantes EU-Bischofswort zu den Wahlen für das Europaparlament angekündigt. Die Wahlen finden im Mai 2014 statt.
Zeitgleich mit dem Bischofstreffen vernetzen sich an einem geheimen Ort nahe Wien Spitzenvertreter der europäischen Rechtsparteien - darunter FPÖ, Front National, Lega Nord und Vlaams Belang. Ziel des Treffens am Freitag war laut der Tageszeitung "Die Presse" die Vorbereitung der Gründung einer gemeinsamen Fraktion für die EU-Wahlen.
In Brüssel sagte ComECE-Präsident Marx, der auch dem Papstberatergremium mit Kardinälen der Weltkirche ("G-8") angehört, laut SIR, die "kritischen Fragen", vor denen die EU heute stehe, seien neben dem Erstarken von Populismus und Nationalismus der Umgang mit Migration, die ökonomische Krise, der Rückfall in den Sozialstandards sowie "einige bedenkliche legislative Prozesse" in einigen Staaten und in einigen Organen der Gemeinschaft.
Beim Thema Integration orientierten sich die ComECE-Bischöfe an Best-Praktice-Beispielen aus Spanien und Großbritannien. So wurde laut SIR u.a. die gelungene Integration von Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland Sierra Leone durch den "Catholic Trust for England and Wales" erläutert.
Religionsunterricht an "Europäischen Schulen"
Auch ein sehr spezifisches Thema, und zwar der Religionsunterricht an den 14 "Europäischen Schulen", wurde bei der ComECE-Vollversammlung in Brüssel diskutiert, berichtete die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA. Welche Rolle Religion an den Schulen spielen solle, sehe jeder der 28 EU-Mitgliedstaaten anders. Während etwa Frankreich Religion und Staat strikt trennt, hängen in italienischen Klassenräumen Kruzifixe. An den Europäischen Schulen soll nun der Religionsunterricht reformiert werden. Ob er künftig konfessionell oder religionsübergreifend erteilt werde, sei unter Kirchen und Schulverantwortlichen noch umstritten, so die KNA.
Die bisher 14 Europäischen Schulen, die hauptsächlich in den Benelux-Staaten und in Deutschland angesiedelt sind - in Österreich gibt es noch keine Schule dieses Typs, wurden gemeinsam von den Regierungen von EU-Mitgliedstaaten gegründet, um Kindern von Eltern, die in europäischen Institutionen arbeiten, einen Unterricht in der Muttersprache zu gewährleisten.
Wie aus einem Entwurf hervorgeht, der der KNA vorliegt, gibt es zwei entscheidende Änderungen am Religionsunterricht an den Europäischen Schulen: Zum einen solle er ab der 7. Klasse in der ersten Fremdsprache erteilt werden. Zum anderen solle der konfessionelle Religionsunterricht in der Oberstufe durch einen nicht-konfessionellen Unterricht in Ethik und Religion ersetzt werden. Das deutsche Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) kritisierte diese Pläne. Religionsunterricht müsse auch in der Oberstufe konfessionell bleiben.
Die ComECE wiederum sieht in einer Debatte über den Religionsunterricht an Europäischen Schulen auch eine Chance. Ergebnis könnte ein so gutes Konzept werden, dass dieses sogar zum Modell für den Religionsunterricht in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten werden könnte, so der Referent für Bildung, Kultur und Jugend, der Österreicher Michael Kuhn.