
Franziskus schätzt den christlichen Osten
Papst Franziskus hat am Donnerstag im vatikanischen Konsistoriumssaal "mit Freude und im Geist der Brüderlichkeit" die Patriarchen und Großerzbischöfe der unierten Ostkirchen gemeinsam mit den Mitgliedern der Ostkirchenkongregation - darunter Kardinal Christoph Schönborn - empfangen. "Unser Treffen gibt mir die Möglichkeit, meine hohe Wertschätzung für das spirituelle Erbe des christlichen Orients zu wiederholen", sagte der Papst zu Beginn seiner Ansprache. Er verwies darin auf die zentralen Punkte des Postsynodalen Dokuments, das Benedikt XVI. im Vorjahr im Zuge seiner Libanonreise in Notre-Dame de Harissa vorgestellt hatte.
Unter Zitierung des Dokuments rief Franziskus die Oberhäupter der katholischen Ostkirchen zu Einheit, zu enger Verbundenheit mit Rom und zur Solidarität auf. Er mahnte die geistlichen Führer von rund 20 Millionen ostkirchlichen Katholiken zu einvernehmlichen Lösungen im Rat der Patriarchen des Ostens und der verschiedenen Patriarchalsynoden. Zugleich erinnerte er an die Gemeinschaft mit dem römischen Papst, die sie jeweils nach ihrer Wahl bekräftigt hatten.
Zuvor hatten zehn Oberhäupter den Papst in Vorträgen über die Situation in ihren Kirchen informiert, besonders im Nahen Osten, in Osteuropa und in Indien. An der Unterredung nahmen die Patriarchen der katholischen Maroniten, Kopten, Melkiten, Syrer, Chaldäer und Armenier sowie den Großerzbischöfen aus Rumänien, Indien und der Ukraine teil. Das Treffen erfolgte im Rahmen der seit Dienstag tagenden Vollversammlung der Ostkirchenkongregation. Eingeladen waren auch der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, und der vatikanische Staatssekretär Pietro Parolin.
Franziskus rief die Kirchenführer in seiner Ansprache auf, Vorbild für ihre Bischöfe, Priester und Gläubigen zu sein. Dazu gehörten neben Glaubwürdigkeit, Frömmigkeit und Glaubenstiefe auch ein bescheidener Lebensstil und Solidarität mit Bedürftigen und Ausgegrenzten. Ausdrücklich mahnte der Papst die Kirchenleiter zu Transparenz in der Verwaltung des Kirchenbesitzes.
Papst: Christen bekennen Jesus seit 2.000 Jahren im Nahen Osten
Eindringlich appellierte der Papst in seiner Ansprache auch zur Achtung der Menschenrechte, besonders der Religionsfreiheit, aller Bürger im Nahen Osten und dort auch der Christen. "Wir können uns einen Nahen Osten ohne Christen nicht vorstellen, die dort seit 2.000 Jahren den Namen Jesu bekennen und als Bürger in das soziale, kulturelle und religiöse Leben ihrer Nationen eingebunden sind", sagte Franziskus.
Er sei sehr besorgt über die Lebensbedingungen der Christen, die in vielen Regionen des Nahen Ostens in besonderer Weise unter den Spannungen und aktuellen Konflikten leiden müssen, sagte der Papst. Er verwies auf die Lage in Syrien, im Irak, Ägypten und anderen Regionen des Heiligen Landes. "Der Bischof von Rom wird nicht Ruhe geben, solange es Männer und Frauen gleichwelcher Religion gibt, die in ihrer Würde getroffen werden, denen das Notwendigste zum Überleben fehlt, die ihrer Zukunft beraubt und zur Flucht gezwungen sind", führte Franziskus weiter aus.
Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/58848.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.