
"Gesprächen an einer Lebenswende"
Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari steht im Mittelpunkt eines jetzt erschienenen Interviewbandes, das der katholische Publizist Hans Winkler nach vielstündigen Interviews verfasste. In seinen ausführlichen Antworten zieht der Bischof, der seit Jahrzehnten Glaubenstiefe mit Intellektualität überzeugend verbindet, eine Art Bilanz über sein theologisches Denken, gibt aber auch Auskunft über seinen Werdegang und darüber, wie er als seit 1981 wirkender Bischof sein Leitungsamt versteht und ausübt. "Egon Kapellari. Was kommt? Was bleibt? Gespräche an einer Lebenswende" lautet der Titel des neuen "Styria"-Bandes; die "Lebenswende" durch Kapellaris absehbaren Abschied vom Grazer Bischofsstuhl trifft dabei auch auf eine weltkirchliche Neuakzentuierung durch den neuen Papst Franziskus.
Autor Winkler kennt den Bischof und selbst vielfachen Buchautor, wie er im "Kathpress"-Gespräch erzählte, seit den 1960er-Jahren, als beide in der Grazer Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) präsent waren: Kapellari als Hochschulseelsorger und Winkler als Jus-Student. "Wie eine ganze Generation" junger steirischer Intellektueller sei er damals vom anregenden geistigen Klima in der KHG und von deren Leiter geprägt worden, so der spätere renommierte Journalist bei "Kleiner Zeitung" und "Presse". Er habe in dieser äußerst autoritätsskeptischen Zeit erfahren können, "dass man katholisch und zugleich gebildet und kritisch sein kann", dass Kirche im Dialog auf der Höhe der Zeit nicht nur bestehen, sondern auch Impulse geben kann. Das verdanke er nicht zuletzt Egon Kapellari.
Winkler führte mit dem Grazer Bischof fünf mehrstündige Interviews, zu denen Kapellari nach einiger Bedenkzeit seine Einwilligung erteilt hatte. Danach war - so berichtete er - viel redaktionelle Arbeit erforderlich, um den Ansprüchen des sehr um sprachliche Prägnanz bemühten Kirchenmannes Genüge zu tun. Zugleich lasse das Buch auch Raum für spontane Antworten des Bischofs, die Kapellari ganz "im O-Ton" zeigen.
Auf die Frage, was ihn bei dem Buchprojekt mit einem, den er seit Jahrzehnten gut kennt, überrascht hat, antwortete Winkler mit Kapellaris freimütigem Eingeständnis, er hätte sich intensiver seinem Klerus widmen sollen. Beeindruckt habe ihn Kapellaris Lebensweg aus bescheidenen Verhältnissen - sein Vater war zuerst Arbeiter in einer Kohlengrube und später Postbediensteter - zum Student, Priester und späteren Bischof und Gesprächpartner von Künstlern und Gelehrten. Er sei "in weitem Umfeld der erste" Familienspross mit Matura gewesen, der dann gleich zwei Studien, Jus und Theologie, erfolgreich abschloss. Als symptomatisch für Kapellaris hohe ästhetische Ansprüche bezeichnete Winkler dessen Aussage, die mit Papst Franziskus verstärkte Hinwendung zu den Armen dürfe zu keinen Abstrichen an jener Schönheit führen, die die Liturgie und auch viele Kirchen auszeichne. Beides sei "kein Luxus".
Im Hinblick auf seine bevorstehende Emeritierung - der ab 12. Jänner 78-Jährige hatte anlässlich seines 75. Geburtstages den Papst entsprechend dem Kirchenrecht um Entpflichtung von seinem Amt gebeten; seine Amtszeit wurde aber verlängert - sagte Kapellari in dem Buch, er wolle zuallererst als Seelsorger tätig bleiben, "in Zuwendung zu Menschen, die dies besonders notwendig haben - zu Armen und Kranken". Und er wolle seine theologische und sonstige Sachkompetenz "im Gespräch in kleinen Thinktanks einsetzen". Und, so fügte der Bischof hinzu: "ich möchte viel mehr beten und lesen" und "mehr vom 'Mönch in mir' (nach einem Buchtitel Heinz Nußbaumers, Anm.) ausprägen können".
Präsentiert wird das Buch am Mittwoch, 4. Dezember, um 19 Uhr im Grazer Augustinum, dem Bischöflichen Zentrum für Bildung und Berufung (Lange Gasse 2, 8010 Graz). Regens Wilhelm Krautwaschl und "Styriabooks"-Verlegerin Gerda Schaffelhofer werden Begrüßungsworte sprechen, Bischof Kapellari und Hans Winkler anschließend einen Dialog führen.
"Egon Kapellari. Was kommt? Was bleibt? Gespräche an einer Lebenswende" erschien in der Reihe "styria premium" und ist im Buchhandel für 19,90 Euro erhältlich.
Quelle: Kathpress