
Wien: Projekt "sozialwort 10+" gestartet
Mit einer großen Auftaktveranstaltung in der Wiener Donaucity-Kirche wurde am Donnerstagnachmittag und -abend das ökumenische Projekt "sozialwort10+" offiziell gestartet. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung des "Sozialwortes" im Jahr 2003 soll das Dokument im kommenden Jahr in organisierten Lesekreisen wieder entdeckt und angesichts der aktuellen Herausforderungen auf seine Gültigkeit befragt und weitergeschrieben werden.
Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer bezeichnete den Prozess "sozialwort 10+" als gelebtes Beispiel für die Forderungen Papst Franziskus' nach einer Kirche im Dienste der Armen. In seinem Lehrschreiben "Evangelii Gaudium" bekräftige der Papst seine Forderungen nach einer gerechteren Welt und einer bescheidenen Kirche. Das Sozialwort habe nicht ausschließlich gesellschaftliche und politische Relevanz, sondern sei vielmehr auch durch eine kulturelle und spirituelle Dimension gekennzeichnet, betonte Bischof Scheuer.
Besonders durch die Auswirkungen der globalen Finanzkrise hätten sich die Gegebenheiten in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in den letzten Jahren dramatisch geändert, sagte Magdalena Holztrattner, Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe). Deswegen stelle sich für das "sozialwort 10+" die besondere Frage, wie die Kirchen mit dieser neuen Situation umgehen sollen. Es würden sich allerdings auch Themen des alten Sozialwortes, wie Fragen nach fairer Arbeit oder globaler Gerechtigkeit in der neuen Version wiederfinden. Dies zeige, dass es noch genügend Aufgaben gebe, die die Kirchen gemeinsam angehen müssten, so Holztrattner. Die ksoe wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) mit der Durchführung des Projekts "sozialwort 10+" beauftragt.
Der Vorsitzender des ÖRKÖ, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, betonte, dass die politische und gesellschaftliche Kraft des Sozialwortes vor allem in der Ökumene begründet sei. Das Sozialwort sei weltweit einzigartig und gleichzeitig ein ökumenischer Kompass mit einem breiten Themenfeld. Gleichzeitig würde es zeigen, dass Ökumene sehr wohl praktisch sein und mitten im Leben stehen kann.
In den kommenden Wochen sollen österreichweit ökumenische Lesekreise gestartet werden, orientiert entweder an Texten, Themen oder Projekten. So bietet etwa die Evangelische Akademie Wien einen Lesekreis im Rahmen ihres christlich-marxistischen Arbeitskreises an, aber beispielsweise auch die Erzdiözese Wien und das Ökumenische Forum Mödling luden bei der Auftaktveranstaltung zur gemeinsamen Relektüre des Papiers ein. Auch der Ökumenische Jugendrat wird sich beteiligen. "An das erste Sozialwort habe ich keine Erinnerung, damals war ich zu jung dafür. Als ich aber das Sozialwort jetzt gelesen habe, hat mich die Lektüre persönlich betroffen gemacht. Sehr spannend ist die Tatsache, dass es noch immer relevant ist", erklärte Katharina Jolly vom Jugendrat.
"Die Kirchen haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht", erinnerte P. Alois Riedlsperger, der als früherer Leiter der Katholischen Sozialakademie maßgeblich an der Entstehung des Sozialwortes im Jahr 2003 beteiligt war. Ziel des Sozialworts sei es, zu einer menschengerechten Gesellschaft beizutragen. "Bei der Erstellung war klar, dass nicht moralisiert werden soll", so Riedlsperger. Insofern sei es immer auch Anliegen des Papiers gewesen, bei der Praxis zu beginnen. Die Kirchen hätten in dem Sozialwort auch Aufgaben für sich selbst definiert und festgeschrieben.
Bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Donaucity-Kirche hob der methodistische Superintendent Lothar Pöll in seiner Predigt die Bedeutung des sozialen Engagements der Kirchen hervor: "Der gemeinsame Dienst an den Menschen ist keine Nebensache, es geht hier um eine Hauptsache des Glaubens." Der evangelische Altbischof Herwig Sturm zeigte sich im Gottesdienst dankbar für das Sozialwort, "ein Wort, das aus dem Gebet entstand". Der Linzer Altbischof Maximilian Aichern, wie Sturm Mitinitiator des Sozialworts, bedankte sich ebenfalls bei allen, die damals bei der Entstehung des Dokuments mitgewirkt haben. "Die Aktualität des Sozialworts ist ungebrochen. Es gilt, die Gottes- und Nächstenliebe zu erneuern", so der Bischof.
Quelle: Kathpress