
Landau: Gott ist kein Lückenbüßer
"Gott ist für mich kein Lückenbüßer für die Dinge, die wir noch nicht erklären können": Das unterstrich der Präsident der Caritas Österreich - und studierte Biochemiker - Michael Landau in einem "Kurier"-Gespräch am Christtag über die Vereinbarkeit von Religion und Naturwissenschaft. Gott habe den Menschen den Verstand gegeben, damit sie ihn nützen. Die Überzeugung, dass Glaube und Wissenschaft "gut zusammenpassen", teilt Landau mit dem renommierten Wiener Quantenphysiker Anton Zeilinger. Der an der TU Wien lehrende Forscher sagte in dem Doppelinterview wörtlich: "Wenn jemand sagt, er brauche keinen Gott, weil man den Urknall entdeckt hat, dann ist das ein sehr naives Gottesbild."
Jeder Naturwissenschaftler muss laut Zeilinger zugeben, dass es Dinge außerhalb wissenschaftlicher Erklärbarkeit gibt. Sogar in den Naturgesetzen selbst, wo er eine "Entwicklung hin zu inneren Symmetrien" beobachte: "Die Gesetze werden einfacher und schöner. Wenn möglichst viele Phänomene mit möglichst wenigen mathematischen Symbolen dargestellt werden können, bezeichnen wir das als Schönheit."
Landau sagte zum Wissensfortschritt, dass dieser den Raum für den Glauben keineswegs sukzessive einenge: "Aus meiner Sicht nimmt das Staunen zu, je genauer man im Detail hinschaut." Der Caritas-Chef sprach sich für Respekt vor unterschiedlichen Zugängen und Methoden aus. Ein Naturwissenschaftler könne mit seinem Instrumentarium keine sinnvollen Aussagen über Gott treffen. Er könne das Wie beantworten, nicht aber das Warum. Bei grundlegenden Existenzfragen nach dem Woher, dem Wohin und dem Sinn des Lebens komme naturwissenschaftliche experimentelle Forschung an ihre Grenzen. Landau weiter: "Auf der anderen Seite: Ein Theologe der sich in naturwissenschaftlichen Fragen mit seinen Instrumenten einmischt, sagt mit hoher Wahrscheinlichkeit Unfug."
Dem berühmten Einstein'schen Satz "Wissenschaft ohne Religion ist lahm und Religion ohne Wissenschaft ist blind", stimmten beide Diskutanten zu.
Befragt nach der "Beweisbarkeit Gottes" sagte Anton Zeilinger, die Existenz eines Gottes sei ebenso wenig aus den Naturwissenschaften herzuleiten wie dessen Nichtexistenz. "Es gibt Grenzen der Naturwissenschaft, aber der nächste Schritt zu sagen, diese Grenzen bedeuten für mich die Existenz eines Gottes, ist eine Sache der persönlichen Entscheidung." Für ihn selbst sei Gott "etwas sehr Mystisches", dem in der theologischen Tradition "immer wieder zu viele Eigenschaften zugeschrieben" worden seien.
Michael Landau bezeichnete den Glauben nicht als "unvernünftig, sondern übervernünftig". Gott sei "nicht zu dunkel, sondern zu hell für den Verstand". Und der Caritaspräsident relativierte die Bedeutung rein "akademischer" Fragen rund um die Existenz Gottes: "Je älter ich werde, desto mehr neige ich dazu zu glauben, dass Glaube zuerst das eigene Leben meint, etwas Praktisches ist. Für mich ist Glaube kein moralisches Sonntagsgewand, das zwickt, wenn man es anzieht. Sondern es ist der Weg durch den Alltag, der mit Weite und Freude zu tun hat. Der sich im Tun erschließt. Man kann über Glaube theoretisieren, aber in dem Moment in dem man sich auf Menschen und die Wirklichkeit einlässt, erfährt man es auf unmittelbarere Weise."
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