
Küberl: Papst gibt "Mut-Injektionen"
Der Papst gibt in seinen Gesten, Worten und Handlungen "Mut-Injektionen", weil er alle Katholiken "zum eigenen verantwortungsbewussten Handeln" ermutigt. Das betonte der steirische Caritasdirektor und ehemalige Caritaspräsident Franz Küberl in der Tageszeitung "Die Presse" (Sonntag). Indem Papst Franziskus ungerechte Strukturen und nicht Menschen verurteile und eine "große Menschenliebe" verströme, stehe er für eine Ermutigung "im Sinne eines Hereinholens und nicht eines Ab- und Ausgrenzens", so Küberl. Dass Menschen unter würdevollen und vernünftigen Bedingungen leben können, sei ein Grundanliegen des Papstes.
In seiner offenen Kritik an ungerechte Strukturen sei der Papst "ein Provokateur". "Das halte ich deshalb für gut, weil auch das Evangelium eine Provokation ist. Schließlich hat Jesus eine gesamte Gesellschaftsordnung auf den Kopf gestellt", sagte Küberl. Papst Franziskus habe eine "Unmenge in Bewegung gebracht", zunächst mit seiner eigenen Personen und seinen Gesten, aber auch mit Positionierungen der Kirche etwa zur Frage der Armut und "mit den großen Anliegen der Zeit generell", so der Caritasdirektor.
Leider gebe es immer wieder einen "Fundamentalunterschied zwischen Wirtschaft und Gemeinwohl", wenngleich Österreich von einem "funktionierenden Dialog zwischen den Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer" und einem fortgeschrittenen Sozialsystem profitiere. In Afrika hingegen würden "alle führenden Rohstoffkonzerne der Welt mit großer Selbstverständlichkeit einen Kontinent ausbeuten und sich ganz selten um die Menschen dort scheren", kritisierte Küberl. Der Papst mache deshalb mit seiner Kritik auf ein virulentes Strukturproblem aufmerksam.
Als vorrangige Themen einer Strukturreform der Kirche benannte Küberl vor allem die Stärkung der Bischofskonferenzen sowie die stärkere "Einbindung der Frauen in die gesamte Kirche". Es sollte, so Küberl, zumindest üblich sein, dass Frauen in Bischofsräten sitzen. "Im innerkirchlichen Bereich ist in den Köpfen noch sehr das Frauenbild der Eva verankert. Dabei wäre das marianische Frauenbild das richtige, das biblische, wie ich es sehe, abseits jedes Süßlichen: dialogisch, mutig, Verantwortung übernehmend, sich nicht einschüchtern lassend".