
Evangelium ohne "inquisitorische Stockhiebe"
Papst Franziskus hat den neuen Heiligen Peter Faber (1506-1546) als Vorbild für eine überzeugende Glaubensverkündigung in der heutigen Welt gewürdigt. Der französische Jesuit habe der immer noch weit verbreiteten Versuchung widerstanden, die Botschaft Jesu mit "inquistorischen Stockhieben" zu verbinden, sagte Franziskus am Freitag in der römischen Kirche "Il Gesu" bei einem Dankgottesdienst für den neuen Heiligen. Stattdessen habe er die christliche Botschaft mit Sanftheit, Brüderlichkeit und Liebe unter den Menschen verbreitet.
Faber lehre zudem, dass zum Glauben stets der Wunsch gehöre, die Welt zu verändern, sagte Franziskus in seiner Predigt. Ein Christ müsse von einer "geistlichen Unruhe" erfüllt sein. Er müsse sich fragen, ob er sich nicht zu schnell mit "geistlichen Konzepten aus dem Labor" zufriedengebe. Dabei dürfe nie außer Acht bleiben, dass die Kirche ihre Kraft nicht aus ihren organisatorischen Fähigkeiten, sondern von Gott beziehe, so der Papst. Wer in die Randgebiete der Welt hinausgehen wolle, um dort die Botschaft Jesu zu verkünden, müsse sich wie Faber zuvor ganz auf Gott konzentrieren, erläuterte Franziskus in dem Gottesdienst für Faber mit rund 350 Jesuiten.
Peter Faber war einer der ersten Gefährten von Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens. Seine zahlreichen Reisen führten ihn auch nach Deutschland, wo er als Reformer der katholischen Kirche wirkte und 1543 in Köln die erste Niederlassung seines Ordens auf deutschem Boden gründete. In seinem Orden wird er bis heute vor allem wegen seines geistlichen Tagebuchs geschätzt, das als Anleitung für Exerzitien verwendet wird. Die Kirche "Il Gesu" gilt als Mutterkirche der Jesuiten und ist die Grabstätte Loyolas.
Franziskus hatte Fabers Verehrung im Dezember auf die gesamte Weltkirche ausgeweitet und ihn in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen. Dieser Schritt kommt einer Heiligsprechung gleich. Eine weitere offizielle Heiligsprechungszeremonie ist nicht mehr erforderlich