
"Christlich-jüdische Beziehungen gut aufgestellt"
Eine positive Bilanz zur Entwicklung der christlich-jüdischen Beziehungen in Österreich während der vergangenen Monate zieht der Präsident des "Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit", Prof. Martin Jäggle. Die Beziehungen zwischen Christen und Juden im Land seien "gut aufgestellt", so Jäggle am Freitag in einer Erklärung aus Anlass des bevorstehenden "Tags des Judentums" in den christlichen Kirchen am 17. Jänner.
Belege dafür seien etwa die im vergangenen November veröffentlichte gemeinsame "klare" Stellungnahme der Österreichischen Bischofskonferenz und des Ökumenischen Rates der Kirchen anlässlich des Gedenktags an die Pogrome von 1938, aber auch das reichhaltige Bildungsangebot des Koordinierungsausschusses. Konkret erinnerte Jäggle an das Konzert "Shalom! Music Between Friends", mit dem die persönliche Beziehung zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen und der jüdischen Gemeinde gestärkt worden sei. Eine interreligiöse Promi-Band aus dem katholischen Abtprimas Notker Wolf, dem evangelischen Bischof Michael Bünker und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg hatte dabei im November vor ausverkauftem Haus im Wiener Theater "Akzent" musiziert.
"Ohne Judentum kann man nicht Christ sein"
Die Schoah sei zwar der drängende Anlass gewesen, nach dem Krieg die christlich-jüdischen Beziehungen radikal neu zu überdenken und neu zu leben, so Jäggle weiters. Heute gehe es in den Kirchen aber um die Anerkennung und Wertschätzung des Judentums als Teil der christlichen Identität: "Ohne Judentum kann man nicht Christ sein."
Dabei gelte es, das Judentum dennoch in seiner Andersheit wahrzunehmen und es nicht für die christliche Selbstfindung zu vereinnahmen. "In dieser Spannung stehen wir. Das auszubalancieren ist eine Aufgabe des christlich-jüdischen Dialogs", sagte der Präsident des Koordinierungsausschusses.
"Rückenwind" aus dem Vatikan
"Rückenwind" für die christlich-jüdische Zusammenarbeit ortet Jäggle auch aus dem Vatikan unter Papst Franziskus, der im Mai in Israel erwartet wird: "In seinem Beitrag in "La Repubblica" und in seinem Schreiben "Evangelii Gaudium" hat der Papst besondere Markierungen gesetzt. Auch für Franziskus sind Dialog und persönliche Freundschaft die tragfähigen Elemente einer guten Beziehung zwischen diesen Bekenntnissen."
Jäggle verwies in diesem Zusammenhang auf eine Passage in "Evangelii Gaudium", wo der Papst schreibt: "Als Christen können wir das Judentum nicht als eine fremde Religion ansehen, noch rechnen wir die Juden zu denen, die berufen sind, sich von den Götzen abzuwenden und sich zum wahren Gott zu bekehren." Jäggle: "Darin sehe ich eine klare Absage an die Judenmission, ein Thema, das seit der Wiedereinführung des außerordentlichen Messritus in der katholischen Kirche immer wieder aufgeflammt ist."
"Tag des Judentums"
Der 17. Jänner wird von den Kirchen Österreichs - aber auch u.a. Italiens, Polens und der Schweiz - als "Tag des Judentums" begangen. Vorträge und Gottesdienste gibt es dazu in Innsbruck, Salzburg, Linz, St. Pölten, Graz und Wien.
Der Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) wird dieses Jahr in der evangelisch-methodistischen Kirche Wien-Fünfhaus gefeiert (19 Uhr; 1150 Wien, Sechshauser Str. 56). Die Predigt hält der Ökumene-Verantwortliche in der Österreichischen Bischofskonferenz, der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer.
Der "Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit" kooperiert in der Bildungsarbeit im kommenden Jahr mit Kursreihen u.a. im Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung der Wiener Volkshochschulen, mit den Theologischen Kursen Wien, dem Referat für Pfarrgemeinderäte der Erzdiözese Wien und der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems.
Eine Übersicht und Details zu den Veranstaltungen gibt es unter der Internetadresse www.christenundjuden.org .
Quelle: Kathpress