
Familien-Fragebogen: Über 30.000 Rückmeldungen
Einen starken Rücklauf beim Fragebogen zu den Themen Familie, Ehe und Sexualität melden die österreichischen Diözesen und Einrichtungen auf Anfrage der "Kathpress". Insgesamt wurden der vatikanische Fragenkatalog, der zur Vorbereitung für die Sonderbischofssynode im Herbst an alle nationalen Bischofskonferenzen ausgesandt wurde, und die diözesan erarbeiteten Kurzversionen zu Ehe und Familie mehr als 30.000 Mal ausgefüllt.
» Dossier zum Familien-Fragebogen
Der Vatikan hatte am 5. November 2013 zur Vorbereitung auf die Bischofssynode im Oktober 2014 einen Fragekatalog zum Thema Familie, Ehe und Sexualität an die Ortskirchen aller Länder der Welt versandt. Die 39 Fragen richten sich an die Bischöfe, die gehalten waren, die Fragen bis an die Kirchenbasis weiterzugeben. In der Folge luden alle österreichischen Diözesen die Gläubigen dazu ein, ihre Antworten zum Fragenbogen via E-Mail und Internet einzusenden.
Große Resonanz bei "Online"-Fragebögen
Vor allem die "Online"-Fragebögen stießen auf große Resonanz. Präsentiert werden die Gesamtergebnisse noch im Jänner - vor dem Ad-limina-Besuch (27.-31.1.), in dessen Rahmen die österreichischen Bischöfe die gesammelten Antworten im Vatikan dem Generalsekretariat der Bischofssynode übergeben.
Als großen Erfolg hinsichtlich der Beteiligung wertet die Diözese Graz-Seckau die Familienumfrage. Von der Diözese wurde auf Basis des vatikanischen Originalfragebogens eine leicht verständliche Kurzversion erarbeitet, der sich auch die Diözesen Innsbruck und Gurk-Klagenfurt anschlossen. Von den steirischen Katholiken alleine kamen 14.221 ausgefüllte Kurzfragebögen, davon 9.652 online und 4.569 schriftlich.
Diese Kurzversion wurde ab 20. November 2013 auf der Homepage www.katholische-kirche-steiermark.at publiziert und auch über die Homepages der Diözesen Innsbruck und Gurk-Klagenfurt zugänglich gemacht. Auch die Diözese Linz (ab Ende November) und die Erzdiözese Salzburg (ab Mitte Dezember) setzten einen Link zum steirischen Kurzfragebogen, dessen "Online"-Portal am 1. Jänner 2014 geschlossen wurde.
Insgesamt verzeichnet diese Kurzversion 18.598 korrekt ausgefüllte Online-Bögen. Hinzu kommen 6.476 schriftlich ausgefüllte Kurzversion-Bögen. Um auch eine möglichst breite Streuung der schriftlichen Version zu erreichen, wurde unter anderem dem steirischen "Sonntagsblatt" der Fragebogen beigelegt. Das ergibt für den von der Diözese Graz-Seckau erarbeiteten Kurzfragebogen einen Gesamtrücklauf von 25.174 korrekt ausgefüllten Exemplaren.
Darüber hinaus konnte auch der vatikanische Originalfragebogen, also die Langversion, bis 7. Jänner online ausgefüllt werden. 487 sind eingelangt, 198 davon aus der Diözese Graz-Seckau. Die wenigen schriftlich eingelangten Fragebögen wurden online erfasst. Das heißt, in der Diözese Graz-Seckau sind insgesamt - Kurz- und Langversion - 25.661 Fragebögen eingelangt. Es werden immer noch Fragebögen ausgewertet. Die Ergebnisse sollen vor dem Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe feststehen.
Auch das Ehe- und Familienzentrum der Diözese Feldkirch hat eine Online-Version erarbeitet, die auf der Homepage www.efz.at angeboten wird. Derzeit haben 1.097 Personen den Fragebogen einschließlich der "Online"-Umfrage beantwortet. Ein Download des Fragebogens wurde 1.985 Mal registriert. 4.193 Personen haben die Webseite, auf der der Fragebogen und die Umfrage angeboten werden, besucht.
In der Diözese Linz wurden per Post und Mail 364 Fragebögen an den Pastoralrat geschickt und per "Online"-Befragung 794 Fragebögen an die Diözese Linz adressiert. Insgesamt meldet die Diözese 1.520 Antworten - sowohl die Lang- als auch die Kurzversion des Fragebogens betreffend. Es kommen jedoch täglich noch weitere Fragebögen dazu, sodass derzeit noch die Ausarbeitungsphase gemeinsam mit einer Soziologin und den Experten der Diözese Linz läuft. Auch hier sollen die endgültigen Ergebnisse vor dem Ad-limina-Besuch präsentiert werden.
In die Diözese Gurk-Klagenfurt sind 1.600 Fragebögen der in der Steiermark erarbeiteten Kurzversion sowie 62 Antwortbögen der Langform eingegangen.
Die Diözese Innsbruck meldet einen Rücklauf von 4.952 Rückläufen bei den Kurzerhebungsbögen, wobei noch rund 100 hinzukommen werden, die noch nicht erfasst wurden. Davon wurden 3.297 online ausgefüllt und 1.655 in "analoger" Form. Von der vatikanischen Originalversion sind 140 ausgefüllte Bögen in die Diözese Innsbruck eingelangt.
In die Diözese St. Pölten, wo die Originalversion an die Gläubigen weitergereicht wurde, sind 27 Stück handschriftlich eingegangen, 12 per Mail und 114 wurden über das elektronische Formular eingegeben. Davon wurden drei von Gruppen bzw. Gemeinschaften ausgefüllt.
Schließlich werden aus den Diözesen Wien, Eisenstadt und Salzburg bis zur Präsentation noch mehr als 1.000 Antworten erwartet.
"Online"-Fragebögen wurden auch von der Katholischen Aktion (KA) und der Katholischen Jugend Wien angeboten. Der KA-Umfragebogen, für den der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner verantwortlich ist, wurde bereits ausgearbeitet: 7.435 Personen haben in den letzten drei Monaten an der über die Homepage www.wodruecktderschuh.at erreichbaren Umfrage teilgenommen. 4.609 der Einträge waren auswertbar.
Kardinal König schon 1963 für Adaptierung
Die Online-Umfrage der Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ) zu den Themen Familie, Ehe und Sexualität zeigt ein "Auseinanderklaffen" zwischen kirchlicher Lehre und gesellschaftlicher Praxis. Das sagte der für den Umfragebogen verantwortliche Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner gegenüber den Tageszeitungen "Die Presse" und "Kurier" (Freitag). Mehr als 7.400 Personen nahmen an der Umfrage teil, der Großteil äußerte den Wunsch nach Änderung der Regeln der katholischen Kirche im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. "Das ist das wichtigste Thema derzeit, sogar noch vor dem Priestermangel", so Prof. Zulehner im "Kurier".
89 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmten der Ansicht zu, dass die Kirche "ihrem Auftrag zu heilen und zu versöhnen nicht gerecht wird, wenn sie keine Wege findet, geschiedene Wiederverheiratete wieder voll in die Gemeinschaft zu integrieren" und zu Beichte und Kommunion zuzulassen. Sechs Prozent würden in einem solchen "barmherzigen" Umgang mit Geschiedenen eine Gefährdung bestehender Ehe sehen. 87 PRozent raten der katholischen Kirche, dem Beispiel der orthodoxen und evangelischen Kirchen zu folgen und eine zweite kirchliche Heirat zuzulassen.
Die Ergebnisse seien zwar nach wissenschaftlichen Kriterien nicht repräsentativ, aber wegen der guten Streuung der Teilnehmer hinsichtlich Geschlecht und Alter "aussagekräftig", so Zulehner in der "Presse".
Überraschend seien die Ergebnisse jedenfalls nicht. Bereits Kardinal Franz König habe 1963 für eine Orientierung der katholischen Kirche an der orthodoxen Kirche - und damit für die Möglichkeit einer zweiten kirchlichen Heirat - plädiert. "Das wird kommen, der Druck aus dem Kirchenvolk wird größer", zeigte sich Prof. Zulehner überzeugt.
Quelle: Kathpress