
"Christlicher Antisemitismus ist absolutes No-Go"
Christlicher Antisemitismus ist "ein absolutes No-Go": Daran hat der Leiter der Wiener Theologischen Kurse, Erhard Lesacher, im Vorfeld des "Tages des Judentums" der christlichen Kirchen am 17. Jänner erinnert. Mit der in der Jüdischen Bibel bezeugten Geschichte Gottes mit seinem Volk hätten Judentum und Christentum "eine gemeinsame Wurzel", so Lesacher am Montag in einer Aussendung. "Derselbe Text ist auch für die Christen Heilige Schrift. Er ist als 'Altes Testament' Teil der christlichen Bibel", erinnerte der Theologe.
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Mit dem jährlich gefeierten "Tag des Judentums" bringen die christlichen Kirchen in Österreich die Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums zum Ausdruck. 2015 steht auch das 50-Jahr-Jubiläum des Konzilsdokuments "Nostra Aetate" über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen an. Mit dem Dokument vollzog die katholische Kirche 1965 den Bruch mit der jahrhundertelangen Tradition der Abwertung des jüdischen Glaubens. In dem Schreiben wird u.a. der jahrhundertealte Vorwurf von der Kollektivschuld der Juden an der Kreuzigung Jesu verurteilt, der zur Entstehung des Antisemitismus beitrug.
Dem Themenfeld "Jüdische Bibel - Altes Testament - Neues Testament" ist am 17./18. Jänner ein Studienwochenende der Theologischen Kurse gewidmet, zu dem der renommierte Regensburger Alttestamentler Christoph Dohmen nach Wien kommt. Dohmen engagiert sich sei vielen Jahren im christlich-jüdischen Dialog und ist langjähriges Mitglied der Päpstlichen Bibelkommission. Gemeinsam mit dem Wiener Judaisten Günter Stemberger trug er zu einer neuen Wertschätzung der jüdischen Bibelauslegung durch die christliche Theologie bei. Die Päpstliche Bibelkommission griff ihre Thesen 2001 in dem Dokument "Das jüdische Volk und seine heilige Schrift in der christlichen Bibel" auf.
Bei den "Theologischen Kursen" (1010 Wien, Stephansplatz 3) spricht Dohmen am Freitag, 17. Jänner, um 15 Uhr zum Thema. Zur Vertiefung gibt es am Samstag ab 9 Uhr einen Studienvormittag mit dem Titel "Hinzufügung - Aufhebung - Überbietung? Zum Verhältnis von Altem und Neuem Testament".
Quelle: Kathpress