
Stop der Nahrungsmittelspekulation
Exzessive Nahrungsmittelspekulation sind mitverantwortlich für die Tragödie Hunger und gefährden das Leben der Ärmsten der Armen: Das sagte Caritaspräsident Michael Landau anlässlich der seit Dienstagabend in Straßburg vereinbarten Reform der europäischen Finanzmarktrichtlinie "MiFID II" (Markets in Financial Instruments Directive). Der Caritaspräsident begrüßte in einer Aussendung am Mittwoch die Einführung "einiger wichtiger Beschränkungen", die "eine Konzentration von spekulativen Verträgen in den Händen einiger weniger Händler verhindern können". Allerdings seien die Obergrenzen für spekulative Verträge zu wenig geregelt, da kommerzielle Händler davon ausgenommen und die Limits nur von nationalen Behörden festgelegt werden, bemängelte Landau.
Nahrungsmittelspekulation treibe seit Jahren die Preise in die Höhe und sei damit für den Hunger in der Welt mitverantwortlich. "Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Unterernährung. Doch Hunger ist kein Naturgesetz, der Hunger in weiten Teilen der Welt ist gemacht", erinnerte Landau. Mais, Reis und Weizen seien als Grundnahrungsmittel für die arme Bevölkerung in Afrika und Asien viel zu teuer.
Index-Fonds-Geschäfte abschaffen
Der Caritaspräsident forderte deshalb eine europaweit einheitliche Spekulations-Obergrenze, "da sich sonst die Mitgliedsstaaten der EU einen Wettstreit um die lockersten Limits liefern können". Scharfe Kritik äußerte Landau auch daran, dass die "eigentlich notwendige Abschaffung von Index-Fonds-Geschäften auf den Agrarmärkten nicht einmal ansatzweise diskutiert" worden sei im Laufe der zweieinhalbjährigen Verhandlungsdauer zur "MiFID II".
Positiv an der Vereinbarung zur Finanzmarktrichtlinie sei hingegen die erfolgte Stärkung der Aufsichtsbehörden und die Festlegung höherer Transparenzverpflichtungen. Dadurch seien raschere Behördeneingriffe und eine Beruhigung der Märkte möglich. Landau erhofft sich von dieser Maßnahme, dass mehr Transparenz in den "bisher völlig unregulierten Handel, der sich außerhalb der Börsen abgespielt hat und besonders übles Spekulationstreiben ermöglicht hat", einziehe.
842 Millionen Menschen seien weltweit vom Hunger betroffen - für den Caritaspräsidenten "eine der schlimmsten Tragödien unserer Zeit". Die neue Finanzmarktrichtlinie sei ein erster Schritt für eine Regulierung von Agrarmarktspekulationen und damit ein erster Schritt gegen den Hunger in der Welt. Preisschwankungen aufgrund von Nahrungsmittelspekulationen müssten ein Ende haben, forderte Landau.