
Papst mahnt "Globalisierung der Gerechtigkeit" ein
Papst Franziskus setzt als hörbarer Mahner für eine "Globalisierung der Gerechtigkeit" "starke soziale Akzente" in seinem Pontifikat. Das betonte die renommierte Sozialethikerin und Professorin für Christliche Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Ingeborg Gabriel, in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". "Er nimmt sich kein Blatt vor den Mund, um aufzurütteln und menschenunwürdige Verhältnisse, wo immer sie existieren, anzuprangern", so Gabriel über die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Stellungnahmen des Papstes.
Aufgabe der Kirche sei es, ein Korrektiv gegen eine unsolidarische Gesellschaft, die letztlich allen schade, zu bilden. Es gelte klar und deutlich zu sagen, dass "Freude und gesellschaftliche Harmonie" allererst durch "Großzügigkeit und Teilen" entstehen. Genau dies komme in "Evangelii gaudium", dem jüngsten Apostolischen Schreiben des Papstes, zum Ausdruck, wenn vor einer "individualistischen Traurigkeit, die aus einem bequemen und begehrlichen Herzen hervorgeht" als "große Gefahr der Welt von heute" gewarnt werde, so die Sozialethikerin.
Moralische Potenziale, die sich in der Hinterfragung einer "Globalisierung der Gleichgültigkeit" zeigen, müssten von der Kirche ermutigt werden. Falsch sei es hingegen, Papst Franziskus in ein "plumpes Schema Marktwirtschaft gegen Planwirtschaft" einordnen zu wollen, mahnte Gabriel.
Die Wirtschaftskrise wirke sich auch in Österreich durch zunehmende Armut, steigende Arbeitslosigkeit und die immer stärkere Abdrängung sozial Schwacher infolge des wachsenden Spardrucks aus. Die globalisierte Weltwirtschaft berge die Gefahr in sich, die hierzulande bis dato funktionierende ökosoziale Marktwirtschaft auszuhöhlen. Als maßgebliche Ursachen hierfür benannte Prof. Gabriel das bestehende "riesige Übergewicht des Finanzsektors" und dessen mangelhafter Regulierung sowie ökologische Ausbeutung, worunter letztlich die gesamte Weltbevölkerung, am meisten jedoch die sozial Schwachen, zu leiden hätten.
Eine auf globaler Ebene funktionierende gerechte Wirtschaftsordnung brauche ein "globales Regelwerk", dessen Wertefundament sich aus der "Solidarität mit den Mitmenschen" und dem "sparsamen und achtsamen Umgang mit den begrenzten natürlichen Ressourcen" speisen müsse. Eine gerechte Wirtschaftsordnung habe ihren Maßstab darin, ob es gelinge, mit materiellen Gütern ein würdevolles Leben für alle zu ermöglichen, betonte Prof. Gabriel.
Quelle: Kathpress