Keine Pfarrzusammenlegungen in Diözese Gurk
"Bei uns in der Diözese Gurk sind keine Pfarrzusammenlegungen geplant": Das sagte der Kärntner Bischof Alois Schwarz im Blick auf Strukturreformen, die sich in anderen österreichischen Diözesen in Seelsorgeräumen bzw. Pfarrverbänden konkretisieren. Auch eine kleine Gemeinde mit nur 35 Katholiken wie jene in Kirchberg bleibe als Pfarre erhalten, "was klarerweise großer Anstrengungen bedarf", erklärte Bischof Schwarz in einem Interview in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift des Mittelschüler-Kartell-Verbandes, "couleur".
Die 336 Pfarren der Diözese Gurk-Klagenfurt seien "Brennpunkte kirchlicher Gemeinschaft" und gerade in kleinen Ortschaften nach der Schließung von Schule, Gendarmerie und Post "die letzten verbliebenen spirituellen Nahversorger". Pfarre bedeute für viele "ein Stück Beheimatung". Schwarz nannte es "schön zu erleben, dass die Menschen vor Ort für ihre Pfarren und um ihre Pfarrer kämpfen". Auch er selbst setzte sich mit aller Kraft für den Erhalt auch kleiner Pfarrgemeinden ein, versicherte der Bischof.
Angesprochen auf den Priestermangel äußerte Schwarz Dankbarkeit dafür, dass viele Priester aus dem Ausland bereit seien, in Kärnten zu wirken. Für sie gebe es ein verpflichtendes Ausbildungsprogramm, das dem Spracherwerb, der Integration auf allen Ebenen und der Vermittlung kirchlicher Gepflogenheiten in der Diözese diene. Dass sich in Österreich nur wenige junge Männer für den Priesterberuf entscheiden, führte Bischof Schwarz darauf zurück, dass der Ruf Gottes "vom oberflächlichen Lärm unserer Erlebnisgesellschaft übertönt" werde. In der Öffentlichkeit müsse wieder eine positive Stimmung geschaffen werden, in der Jugendliche ihre Berufungen erkennen und leben können, "ohne belächelt zu werden".
Keine Sonderwege bei "heißen Eisen"
In dem "couleur"-Interview wurden auch die bekannten "heißen Eisen" der Kirchenreformdebatte angesprochen. Zum Zölibat äußerte Bischof Schwarz die Überzeugung, dass diese Lebensform "den Priester in die tiefe Freundschaft mit Gott hineinführt". Er selbst habe "nicht geheiratet, um deutlich zu machen, dass mein Lebensland Gott ist". In der heutigen sinnsuchenden Gesellschaft würden Menschen gebraucht, "die ganz für Gott und somit auch ganz für die Menschen leben können".
Dass "unter bestimmten Umständen eine Lockerung des Zölibats aus kulturellen Gründen in bestimmten Regionen" denkbar sei, habe Papst Franziskus schon als Erzbischof von Buenos Aires gesagt. Schwarz nannte hier den Nahen Osten, wo es eine entsprechende Praxis der Ostkirchen gebe. Den Priestermangel als Motiv für geänderte Zulassungsbedingungen habe der Papst allerdings damals nicht gelten lassen.
Zum Thema Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene verwies der Kärntner Bischof auf die im Oktober geplante Sonderbischofssynode in Rom, wo diese Frage im größeren Zusammenhang der Ehepastoral diskutiert werden solle. "Auch für mich ist dieses Thema eine der großen Herausforderungen in der Seelsorge", fügte Schwarz hinzu.
Ob er sich einmal Frauen im Bischofsamt vorstellen könne, ließ Schwarz offen. Er verwies erneut auf Papst Franziskus, der die Rolle der Frau in der Kirche als "unabdingbar" bezeichnet habe, und würdigte die engagierte Mitarbeit von Frauen in der Seelsorge und auch in "immer mehr" Leitungsfunktionen in der Diözese.
Über die "sehr unterschiedlichen" Reformanliegen der Pfarrerinitiative sei er mit deren Kärntner Vertretern im Gespräch, teilte Bischof Schwarz mit. Er plädiere für Dialog und "pastorales Augenmaß in der Umsetzung von pastoralen Neuerungen mit Blick auf gesamtkirchliche Vorgaben". Nachsatz: "In essenziellen Fragen von Lehre und Praxis darf es jedenfalls keinen diözesanen Einzel- oder Sonderweg geben."
Quelle: Kathpress