
Kirchendachverbände lobbyieren für Kriegsende
Am Tag der Eröffnung der Syrien-Friedenskonferenz, an der u.a. auch der Vatikan teilnimmt, hat die "Konferenz Europäischer Kirchen" (KEK/CEC) mit Sitz in Genf die Leitungen der Mitgliedskirchen zum Gebet um Frieden in Syrien aufgerufen. Zugleich müssten die Kirchenleitungen bei den Politikern ihrer Heimatländer vorstellig werden, damit alles getan wird, um den Frieden in Syrien herbeizuführen.
Die blutigen Auseinandersetzungen in Syrien hätten bisher 130.000 Tote gefordert, durch Vertreibungen und Fluchtbewegungen habe sich eine humanitäre Katastrophe ungeheuren Ausmasses entwickelt. KEK-Generalsekretär Guy Liagre stellte in Genf fest: "Die Zeit für Frieden, um diese Tragödie in Syrien zu beenden, ist gekommen."
Der Generalsekretär des Weltkirchenrates (ÖRK), Pfarrer Olav Fykse Tveit, übergab am Montag dem gemeinsamen Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien, dem algerischen Diplomaten Lakhdar Brahimi, eine Erklärung von Kirchen aus aller Welt, in der diese dringend ein Ende des bewaffneten Konflikts in Syrien fordern. Im Vorfeld von Montreux/Genf hatte der Weltkirchenrat eine eigene Syrien-Konferenz organisiert, an der auch Brahimi teilgenommen hatte. Brahimi sagte zu, die Erklärung der Kirchen den Delegierten der Friedenskonferenz als Beitrag der weltweiten christlichen Gemeinschafen zu überbringen.
Die "Genfer Erklärung" der Kirchen unterstreicht die Notwendigkeit eines "sofortigen Endes aller bewaffneter Konflikte und Kampfhandlungen in Syrien". Alle gefährdeten Gruppen in Syrien und die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten müssten angemessene humanitäre Unterstützung erhalten, "ein umfassender Prozess" sei einzuleiten, um "einen gerechten Frieden in Syrien zu schaffen und die syrische Gesellschaft wieder aufzubauen".
In seinen Gesprächen mit Brahimi unterstrich Tveit die große Unterstützung, die die "Genfer Erklärung" von ÖRK-Mitgliedskirchen sowie anderen ökumenischen Organisationen aus der ganzen Welt, wie zum Beispiel der Weltweiten Evangelischen Allianz, erhalten habe.
Trotz der Herausforderungen, vor denen die "Genf 2"-Gespräche stehen, erklärte Tveit, habe er weiterhin Hoffnung, dass Frieden und ein Ende des Konflikts möglich sind. Die Kirchen würden "auch weiterhin alles Erdenkliche tun, um einen konkreten Beitrag zu dem Prozess zu leisten, der Frieden und Gerechtigkeit in Syrien bringen soll".
Brahimi versicherte dem ÖRK-Generalsekretär und Michel Nseir, dem Leiter des ÖRK-Programms für den Nahen und Mittleren Osten, der ebenfalls an den Gesprächen teilnahm, dass der Prozess der Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und den Vereinten Nationen in den Bemühungen um Frieden in Syrien fortgesetzt werde.
Kyrill: Freilassung der Entführten 1. Schritt
In einer eigenen in Genf veröffentlichten Botschaft forderte der Moskauer Patriarch Kyrill I. als ersten Schritt auf dem Weg zu Frieden und Stabilität in Syrien die Freilassung der entführten kirchlichen Persönlichkeiten. Kyrill erwähnte auch einen sofortigen Stopp der Schändung religiöser Stätten und von Objekten des kulturellen Erbes.
Nach wie vor gebe es keine Angaben über das Schicksal der beiden Aleppiner Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, die am 22. April des Vorjahrs entführt wurden. Auch die Oberin und die Schwestern des Thekla-Klosters in Maaloula seien nach wie vor in Geiselhaft.
Die sofortige Freilassung der kirchlichen Persönlichkeiten werde ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass die Opposition bereit sei, bei der Suche nach Frieden und Übereinstimmung in Syrien mitzuarbeiten, schrieb der Patriarch.
Die Delegierten sollten jede mögliche Anstrengung unternehmen, um eine sofortige und bedingungslose Beendigung der Feindseligkeiten zu erreichen, damit "ein Dialog beginnen kann, an dem alle syrischen politischen Kräfte und die Zivilgesellschaft des Landes teilnehmen sollen". Wörtlich betonte der Patriarch: "Syrien muss ein Staat bleiben, in dem Rechte und Würde aller ethnischen und religiösen Gruppen respektiert werden". Sicherheit und Religionsfreiheit der seit 2.000 Jahren im Nahen Osten präsenten Christen müssten ebenso wie Sicherheit und Religionsfreiheit aller anderen Bürger garantiert sein.
Vor allem müsse alles getan werden, um ein weiteres Eingreifen "terroristischer und extremistischer Gruppen" zu stoppen. Es müsse verhindert werden, dass diese Milizen finanzielle Hilfe oder Waffen aus dem Ausland erhalten. Nur so habe das Volk von Syrien eine Möglichkeit, aus eigenem über seinen zukünftigen Weg zu entscheiden.
Ausdrücklich appellierte der Patriarch an die "Leute, die ihre Hände mit dem Blut von Zivilisten befleckt haben", zur Besinnung zu kommen und sofort aufzuhören, Böses zu tun: "Bedenkt, dass es leicht ist, den Frieden zu ruinieren, aber es braucht Jahrzehnte, um die Wunden des Krieges zu heilen. Und es ist unmöglich, Ermordete wieder zum Leben zu erwecken."