
Tweet des Papstes: Betet für Benedikt XVI!
Franziskus hat zum Jahrestag der Rücktrittsankündigung von Benedikt XVI. zum Gebet für seinen Vorgänger aufgerufen. "Heute lade ich euch ein, mit mir zusammen für Seine Heiligkeit Benedikt XVI. zu beten, einen Mann großen Mutes und tiefer Demut", heißt es in einer am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Botschaft. Benedikt XVI. hatte am 11. Februar 2013 angekündigt, dass er sein Amt am 28. Februar niederlegen werde. Es war der erste freiwillige Amtsverzicht eines Papstes in der Neuzeit.
Nach Aussage des früheren Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone wollte Benedikt XVI. seinen Rücktritt ursprünglich schon kurz vor Weihnachten 2012 ankündigen. Er habe - so Bertone im Interview mit dem katholischen Internetportal "korazym" - seinen langjährigen Vorgesetzten jedoch darauf hingewiesen, dass dies kein passender Zeitpunkt sei.
Bertone habe demnach dem Papst gesagt: "Sie müssen die Botschaft von der Kindheit Jesu verkünden. Stören wir dieses Geschenk, das er der Kirche macht, nicht."
Bereits Mitte 2012 sei er von Benedikt XVI. über seine Absicht zum Rücktritt in Kenntnis gesetzt worden, so der Kardinal. Nach eigenen Angaben war er zu diesem Zeitpunkt die einzige Person, die von der Entscheidung wusste.
Erzbischof Georg Gänswein hatte am Montag in einem Interview bestätigt, dass er "viele Monate" vor der Ankündigung des Rücktritts von Benedikt XVI. eingeweiht gewesen sei.
Bertone berichtete in dem Interview weiter, dass er versucht habe, Benedikt XVI. zu einer Verschiebung des Rücktrittstermins zu bewegen. Er habe auf das eben erst begonnen "Jahr des Glaubens" sowie die schon begonnene Enzyklika über den Glauben verwiesen.
Nach "weiterem Nachdenken und Gebet" habe Benedikt XVI. dann jedoch die unwiderrufliche Entscheidung getroffen, seinen Rücktritt am Gedenktag der Muttergottes von Lourdes, dem 11. Februar, bekanntzugeben.
Das Hauptmotiv für den Rücktritt von Benedikt XVI. war nach angaben Bertones das Nachlassen der körperlichen und geistigen Kräfte. Der Papst habe ihm gesagt, dass er sich in seinem Alter nicht mehr danach fühle, beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro Millionen von Jugendlichen zu treffen.
Rücktritt war "Markstein"
Der renommierte katholische Theologe Peter Hünermann hält Benedikt XVI. für "den letzten bedeutenden Theologen des 2. Jahrtausends auf dem Stuhl Petri und den letzten Papst einer zu Ende gehenden Epoche der Kirchengeschichte". Insbesondere Benedikts Rücktritt vor einem Jahr sei ein "Markstein für die Kirche", sagte der 84-Jährige dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag). Benedikt habe damit eine im besten Sinn "pragmatische Neubestimmung des Papstamtes" vorgenommen, ohne dass die Theologie des Amtes angetastet worden wäre.
Hühnermann ist Gründungspräsident der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologei und war Nachfolger Joseph Ratzingers als Professor in Münster und Tübingen.
Der Dogmatiker charakterisierte Ratzinger, der als Papst den Namen Benedikt XVI. annahm, als einen Mann des Übergangs. "Er ist groß geworden in der alten Zeit, mit der alten Theologie vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Beides hat er mitnehmen und anschlussfähig halten wollen, auch in einer neuen Epoche." Den eigentlichen epochalen Wechsel aber, den das Konzil markiere, habe Ratzinger damit "immer nur halbherzig vollzogen - sowohl in seiner wirklich intelligenten Theologie als auch in seiner Amtsführung".
Ein "Paradigmenwechsel" im kirchlichen Selbstverständnis, der unter dem neuen Papst Franziskus bereits nach einem Jahr klar sichtbar werde, sei erst nach Benedikt möglich geworden, so Hünermann weiter. "Aber Benedikt hat gewissermaßen die Brücke geschlagen, über die Franziskus jetzt geht." Als Beispiel nannte er Franziskus' Absicht, "das wohl größte unbewältigte Problem der Kirche seit dem Konzil, nämlich die Sexualmoral", mit Hilfe der Bischöfe, auf dem Weg einer Synode, klären zu lassen.