
Landau: Der Papst ist ein Geschenk für die Welt
Papst Franziskus ist ein Geschenk für die Caritas, die Kirche und die ganze Welt: Das betonte Caritas-Präsident Michael Landau in einem Interview mit der Salzburger Kirchenzeitung "Rupertusblatt". Sein unbedingter Einsatz für die Armen sei ein Appell, sich nicht mit einer ungerechten Welt abzufinden; denn Armut und Hunger seien keine Naturgesetzte, sondern sehr oft das Ergebnis von rücksichtslosem Gewinnstreben, Entsolidarisierung und Egoismus. Hier rufe der Papst zur Umkehr.
Mit seiner Botschaft erinnere Franziskus daran, dass Europas und Österreichs Wohlstand von einem System profitiere, das viele Menschen in ärmeren Regionen der Welt zu Verlierern macht. Die nötige Umkehr beginne beim Einzelnen: "im Umgang mit Nahrungsmitteln, in der Bereitschaft selbst zu teilen und auf andere zu achten. Wobei mich persönlich beeindruckt, dass der Papst das nicht in einer depressiven, sondern hoffnungsfrohen Haltung artikuliert."
Franziskus sorge mit seinem unbedingten Einsatz für die Armen auch für einen Umkehrschub im Kirchenbild. "Ihm ist eine verbeulte Kirche lieber, die bereit ist, sich schmutzig zu machen, als eine Kirche die sich abschottet und selbstgefällig in sich zurückzieht". Gehe sie diesen Weg, werde sie eine Kirche sein, die mit den Menschen weint und lacht, zeigte sich der Caritas-Präsident überzeugt.
"Nächstenliebe ohne Wenn und Aber"
Diese Linie des Papstes sei auch Programm für die Caritas. Ihren Auftrag beschreibt Landau in einem einfachen Satz: "Nächstenliebe ohne Wenn und Aber". Caritas meine zuallererst "Hilfe von Gesicht zu Gesicht, rund um die Uhr und manchmal auch rund um die Welt". Getragen werde die Arbeit der Organisation durch die vielen Menschen, "die täglich den Dienst der Nächstenliebe leben". Das gelte auch für die 35.000 Freiwilligen in ganz Österreich. Hilfe für die Armen sei dabei aber keine Einbahnstraße sondern eine Bereicherung. "Wir werden nicht ärmer, sondern reicher wo wir teilen und wo wir uns auf anderen Menschen einlassen."
Angesicht der jüngst veröffentlichten Zahlen zur Aufnahme von syrischen Flüchtlingen in Österreich forderte der Caritas-Präsident einmal mehr die Verdoppelung des Aufnahme-Kontingents. Bis Jänner seien von den 500 Syrern erst 160 in Österreich angekommen - dafür habe Österreich im Vorjahr 1.153 Syrer des Landes verwiesen, legte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung am Dienstag offen. "Wenn ich an den Prager Frühling denke oder die Krise im ehemaligen Jugoslawien wo wir rund 100.000 Menschen aufgenommen haben, dann glaube ich, dass die 500, die wir zur Zeit aus Syrien aufnehmen wollen, nur ein Anfang sein können".
Akute Themen: Wohnen, Bildung, Arbeitslosigkeit
Die größten Herausforderungen in Österreich seien derzeit, so Landau, leistbares Wohnen, das Thema Bildung und die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit. Es brauche eine rasche Mietrechtsgesetzänderung, die zu fairen und transparenten Mieten führt. Im Bereich der Arbeitslosenbekämpfung habe Österreich "einiges richtig gemacht". Dennoch müsse "genau hingeschaut" werden, denn es sei fatal für eine Gesellschaft, wenn ihr erstes Signal an einen Jugendlichen lautet: "Du bist überflüssig, du wirst nicht gebraucht." Wichtige Themen seien außerdem der leistbare Zugang zur Pflege, zur Kinderbetreuung und nicht zuletzt eine Entlastung der niedrigen Löhne.
Positiv bewertet Landau die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung im Regierungsprogramm. Diese seien besser als ihr Ruf. Trotzdem bleibe an manchen Stellen ein "halbherziger Eindruck" und über allen guten Vorhaben schwebe das Damoklesschwert des Finanzierungsvorbehaltes. Gefordert sei ein "klares Bekenntnis" zur Stärkung des Sozialstaates. "Wir können uns den Sozialstaat leisten. Was wir uns nicht leisten können, ist ohne ihn zu sein."
Änderungsbedarf sieht Landau im Umgang mit Bettlern. Sie seien die sichtbarste Form der Armut und ein "Stachel im Fleisch der Gesellschaft". Mit bloßen Verboten werde man keine Probleme lösen können. "Eine Wunde gehört geheilt und nicht geschminkte", betonte der Caritas-Präsident. Kritisch äußerte sich Landau auch zum österreichischen Asylsystem und forderte ein faires Asylverfahren, Mindeststandards bei der Grundversorgung und Zugang zum Arbeitsmarkt.
Quelle: Kathpress