
"Dem Heiligen Geist einen Landeplatz bereiten"
"Pastoralinnovation": Mit diesem bisher "unbesetzten" Begriff hat der vormalige Pressesprecher der Diözese Graz-Seckau, Georg Plank, seinen neuen beruflichen Weg markiert, auf dem er zu zeitgemäßer kirchlicher Präsenz in der oft religionsfernen modernen Gesellschaft beitragen möchte. Der 50-jährige Theologe machte sich nach 25 Jahren im kirchlichen Dienst als Unternehmensberater mit Schwerpunkt pastorale Erneuerung selbstständig und bietet kirchlichen Organisationen und Entscheidungsträgern Dienstleistungen, die unter heutigen Gegebenheiten "dem Heiligen Geist einen Landeplatz bereiten" helfen, wie Plank im Gespräch mit "Kathpress" mitteilte.
Mit dem Blick auf Best-practice Beispiele im deutschen Sprachraum sollen Impulse für Innovationen in der eigenen Pfarre, Bewegung oder anderen kirchlichen Einrichtung entstehen. Auch für abteilungs- und diözesanübergreifende Projektkoordination steht Plank zu Verfügung, weiters für kirchliche Organisations- und Personalentwicklung sowie für Kampagnen und "mediale Verkündigung".
Der kontinuierliche Rückgang bei "klassischen kirchlichen Kennzahlen" wie Gottesdienstbesuch, Katholikenzahl und Priesterberufungen führe mancherorts zu Resignation, es gebe aber auch Willen, "mit neuem Blick auf Kirche und Gesellschaft auch neue Spielräume zu entdecken". Voraussetzung für Erfolge dieser Aufbrüche sind laut Plank ein ehrlicher Blick auf die "Zeichen der Zeit" und deren Deutung im Licht des Evangeliums. Daraus ergäben sich "Wege, wie Kirche für die heutigen Menschen konkret werden kann - so, dass nicht Kirche, sondern das Evangelium im Zentrum steht". Und die Kraft des Evangeliums ist nach Planks Überzeugung "heute nötiger denn je, um gesellschaftliche und politische Herausforderungen zu meistern".
Kirche soll "hinausgehen" und willkommen heißen
Ganz im Sinn von Papst Franziskus empfiehlt Plank einerseits einladende Gesten an Kirchenferne - der Theologe mit USA-Erfahrung unterscheidet hier zwischen "dechurched" und "unchurched", also Zeitgenossen, die der Kirche den Rücken kehrten oder aber gar nie eine Beziehung zu ihr hatten -, andererseits gelte es für die Kirche auch "hinauszugehen" in ungewohnte Kontexte. Wie könnte etwa kirchliche Präsenz in einem Einkaufszentrum aussehen, so Plank. Seine Idee dazu: Kirchenchöre könnten dort z.B. an Einkaufssamstagen in der Adventzeit ein Programm anbieten, das authentischer auf Weihnachten hinweist als die üblichen X-Mas-Songs aus der Konserve. Erste Erfahrungen damit in der Steiermark hätten alle Beteiligten zufriedengestellt.
Amerikanisches "welcoming", das alle US-Kirchen auszeichne, sollte laut Plank auch hierzulande Vorbild sein; ähnlich wie bei der "Langen Nacht der Kirchen" könnten Pfarrgemeinden einmal im Jahr in ihre Kirche einladen. Dabei gelte es, die Kompetenz der vielen ausgebildeten Kirchenführer zu nutzen - wichtig sei jedenfalls zu vermitteln: Niemand soll sich fremd oder gar unwillkommen fühlen. Zu diesem niederschwelligen Tag der offenen Tür sollte nicht nur medial, sondern auch persönlich eingeladen werden; dazu genüge es, wenn jedes engagierte Pfarrmitglied fünf Personen freundlich anspreche.
Plank bietet Kreativ-Workshops an, in denen Kirchenvertreter eigene Ideen wie diese entwickeln können. Er sei gegen jede "Beraterabhängigkeit", es gehe vielmehr um "Geburtshilfe". Viel nachhaltiger als ein "Guru" von außen sei die Befähigung zur Selbsttätigkeit, weiß der frühere Jugendstellenleiter, Religionslehrer, Laientheologenverantwortliche und Kommunikations-Chef der Diözese Graz.
Innovativ ist nicht nur völlig Neues
Plank erinnerte an die PR-Initiative "Aktion Glaube: Verhüllen - enthüllen - entdecken" in der Diözese Graz-Seckau, die 2012 österreichweit aufgegriffen wurde. Katholiken verhüllten damals in der Fastenzeit öffentliche Glaubenssymbole - um gerade dadurch auf sie aufmerksam zu machen und um auch "mit den Augen zu fasten". Innovation heißt, so Plank, nicht nur, etwas völlig Neues machen, sondern auch Bewährtes und Traditionelles in neue Kontexte zu stellen. Die "Aktion Glaube" sei deshalb erfolgreich und "stimmig" gewesen, "weil sie zu uns passt".
Konkrete Projekte Planks: Zum Fest des Heiligen Geistes, der in seiner Arbeit einen wichtigen Stellenwert habe, plant er "pfinXten 2014", eine Veranstaltung von 8. bis 10. Juni auf Schloss Seggau, bei der er kirchliche Führungskräfte in Kontakt mit "Innovatoren" von außen bringt und erlebbar machen will, wie "Pastoralinnovation" konkret aussehen könnte.
Für einen größeren Kreis offen sind die von Plank "i-Reisen" genannten Begegnungen mit fremden Kulturen, bei denen sich offene Augen auf die Welt mit einem angeleiteten Lernprozess für die Teilnehmenden verbinden sollen. Im Visier hat Plank Destinationen wie Deutschland, Bosnien, Brasilien, die USA, Südkorea und auch eine Wüstenreise nach Marokko.
Planks Credo: Die Welt ist voll von unbekannten Gegenden für uns als Kirche geworden, die z.T. offener sind für Dialog und ein Miteinander, als wir meinen."
Infos: www.pastoralinnovation.at