
"Niemand bettelt zum Spaß"
Die Kärntner Caritas hat am Donnerstag in der Völkermarkter Straße in Klagenfurt ihr "Projekt C 14" eröffnet, eine Anlaufstelle für anreisende Bettler, die schon im Vorfeld für heftige Auseinandersetzungen sorgte: Der Klagenfurter FP-Bürgermeister Christian Scheider hatte sich ebenso gegen das vermeintliche "Bettlerhotel" ausgesprochen wie Anrainer und die Stadtpolizei. Viktor Omelko, Caritasdirektor der Diözese Gurk-Klagenfurt, betonte demgegenüber anlässlich der Eröffnung, die neue Anlaufstelle solle auswärtigen Bettlern einen Ort bieten, "an dem sie menschenwürdig und wertschätzend behandelt werden". Denn: "Niemand bettelt zum Spaß." Die Anlaufstelle sei "weder ein Hotel, noch eine Einladung an Menschen, sich hier langfristig niederzulassen".
Die Armutsmigration könne man nicht verhindern, so der Caritasdirektor in einer Aussendung. "Solange es Elend und Not in (Süd-)Osteuropa geben wird, werden Menschen, vor allem Randgruppen aus Rumänien, Bulgarien, der Slowakei und auch Moldawien, überall in mitteleuropäischen Städten versuchen, dem Teufelskreis der Armut zu entkommen - selbst wenn dies bedeutet, dass die Endstation das Betteln auf unseren Straßen ist", hielt Omelko fest. Die Caritas wolle also "nicht das Betteln an sich verhindern, sondern das, was derzeit ohnehin schon illegal passiert".
Mit dem "Projekt C 14" bietet die Caritas neben Aufenthaltsräumen auch die Möglichkeit, sanitäre Anlagen oder eine Kochstelle zu benutzen. In weiterer Folge, sobald die Wohnungen in der Liegenschaft frei werden, sei auch eine Notschlafstelle geplant. Diese Hilfe folge einem Muster, wie es die Caritas in all ihren Angeboten für Kärntner in Not oder auch für Ausländer biete, betonte Omelko. Für heimische Obdachlose gebe es ebenso eigene Anlaufstellen wie für Asylwerber.
Untätigkeit wäre "Pflichtverletzung"
Die Caritas sehe schon lange Handlungsbedarf, "da es für 'Touristen aus dem EU-Ausland', wie ihr rechtskräftiger Status lautet, keine geeigneten Hilfsangebote bei uns gibt", sagte Omelko. Er würde es als "Pflichtverletzung" sehen, bliebe die Caritas hier untätig. Denn das christliche Menschenbild sehe Hilfe für alle Menschen vor, "die vor unseren Augen Not leiden".
Die Caritas wisse um die Sorgen der Klagenfurter Bürger, vor allem auch im näheren Umkreis der Liegenschaft in der Völkermarkter Straße 294, und sehe auch "in der Sensibilisierung der Bevölkerung großen Handlungsbedarf". Denn oftmals würden Bettler gesellschaftlich diskriminiert, verachtet, ausgegrenzt oder gar pauschal kriminalisiert, wies Omelko hin. Für die Anrainer plant die Caritas eine Informationsveranstaltung und "begleitende Sensibilisierungsmaßnahmen".
Betteln bedeutet nichts anderes als "jemand anderen um Hilfe zu bitten", so Omelko weiter. "Das Bewusstsein für die bittere Armut dieser Menschen braucht Platz auf unseren Straßen, in den Köpfen und in den Herzen der Kärntnerinnen und Kärntner." Daher bitte die Caritas die Kärntnerinnen und Kärntner, das "Projekt C 14" zu unterstützen.
Bürgermeister und Polizei dagegen
Bürgermeister Scheider hatte sich schon vor deren Eröffnung als Gegner der Caritas-Bettleranlaufstelle deklariert. In einer Pressekonferenz am Mittwoch äußerte er seine scharfe Kritik am Projekt und versicherte, man habe das "Bettlerproblem in Klagenfurt gut im Griff". Einem Bericht des ORF zufolge sagte Scheider, Man könne zwar nicht verhindern, dass immer wieder Bettlergruppen in der Stadt auftauchen, dank der Zusammenarbeit mit Polizei und Bergwacht würde es aber "fast immer gelingen, dass diese Bettlergruppen aus Klagenfurt wieder verschwinden". Nachdem mit der Exekutive dieser "gemeinsame Weg gefunden" worden sei, halte er eine große Caritas-Unterkunft für "gefährlich und kontraproduktiv". Scheider wörtlich: "Das ist wie eine Einladung an alle internationalen Organisationen, sich in Klagenfurt anzusiedeln."
In einer Aussendung am Donnerstag erklärte Scheider, die Caritas habe keine baurechtliche Genehmigung des betreffenden Gebäudes als Wohnraum: "Wenn sich jetzt herausstellt, dass die Caritas Teile des Gebäudes widerrechtlich als Unterbringungsmöglichkeit nutzen will, wird die Behörde sofort einschreiten und Maßnahmen setzen."
Auch die Polizei äußerte sich gegenüber dem ORF nicht begeistert. "Wir wollen nicht einen Magneten darstellen, wo jeder weiß, da gehen wir hin, da geht's und gut, da werden wir versorgt", sprang Stadtpolizeikommandant Eugen Schluga dem Bürgermeister zur Seite. Bettler seien "besser vernetzt, als wir glauben", es sei zu befürchten, dass bald ein Vielfaches der bisher überschaubaren Bettlerschar in Klagenfurt präsent ist.