
Wien: Beratungen über globale Ethik für Regierende
Was kann getan werden, damit ethische Prinzipien auch im politischen Handeln von Staatenlenkern sichtbar werden und nicht nur in Sonntagsreden? Mit dieser Frage befassen sich ehemalige Staats- und Regierungschefs und Vertreter der Weltreligionen in dieser Woche bei einer zweitägigen Konferenz in Wien. Als Vorsitzender des "InterAction Council" (IAC) erwartet Österreichs Ex-Kanzler Franz Vranitzky zu dem interreligiösen Dialog über die Bedeutung ethischer Werte in der Politik etwa den früheren deutschen Regierungschef Helmut Schmidt sowie den französischen Ex-Präsidenten Valery Giscard d'Estaing.
"Den großen Regierungen scheint in ihrem politischen Handeln der Sinn für Ethik zu fehlen", heißt es im Einladungstext der Konferenz am 26. und 27. März im Hotel Intercontinental. Wie die Bedeutung ethischen Verhaltens von Regierenden wiederhergestellt werden könne, sei "vielleicht die wichtigste Frage die vor uns liegt".
Eröffnet wird die Tagung unter dem Titel "Global Ethics in Decision Making" Mittwochfrüh von Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer, Kanadas Ex-Premier Jean Chretien und dem ehemaligen australischen Ministerpräsidenten Malcolm Fraser. Unter den Religionsvertretern bei der zweitägigen Veranstaltung befinden sich Religionsgelehrte aus dem Nahen Osten, Asien, den USA, Australien und Europa. Aus dem deutschsprachigen Raum sind der Wiener katholische Pastoraltheologe Paul Zulehner, der in München lehrende evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf und der Generalsekretär der Stiftung "Weltethos", Stephan Schlensog, vertreten.
Dem "InterAction Council" gehören ausschließlich ehemalige Staats- und Regierungschefs an. In den 1980er-Jahren initiiert, will der Interaktionsrat laut Eigenbeschreibung "praktische Lösungen für die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Menschheit" suchen und vorschlagen. Im Zentrum steht dabei das Bemühen um Frieden und Sicherheit, die Belebung der Weltwirtschaft und die Förderung universeller ethischer Standards.
1997 erarbeitete Hans Küng in Zusammenhang mit seinem Projekt "Weltethos" einen Entwurf für eine "Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten", die das "InterAction Council" den Vereinten Nationen als Ergänzung zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vorschlug. Der Entwurf formuliert in 19 Artikeln Prinzipien der Humanität, Gewaltlosigkeit, Achtung vor dem Leben, Gerechtigkeit und Solidarität, Wahrhaftigkeit und Toleranz, der gegenseitigen Achtung und Partnerschaft.
Neben einer jährlichen Vollversammlung organisiert der Interaktionsrat seit 1987 auch regelmäßig Tagungen zu Fragen des interreligiösen Dialogs. Die Rolle der Weltreligionen und ihre Auswirkungen auf die globale Politik ist auch immer wieder Thema der Plenarversammlungen der ehemaligen Staats- und Regierungschefs.
Informationen: www.interactioncouncil.org
Quelle: Kathpress