
"Christen sind Freunde und Beschützer des Lebens"
Christen sind "Freunde des Lebens, zumal des menschlichen Lebens und seiner Umwelt als Mitwelt". Darauf hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari beim Festgottesdienst im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in der Stiftskirche Admont hingewiesen. Er hielt seine Predigt am Festtag Verkündigung des Herrn (auch Mariä Verkündigung, gefeiert am 25. März), das letztlich ein Fest der Menschwerdung Gottes sei. Die Inkarnation Gottes in Christus begründet nach den Worten Kapellaris die bejahende Haltung der Christen gegenüber dem Leben in all seinen Spielarten, ob geboren oder ungeboren, entfaltet oder behindert - und verpflichtet sie zum Schutz dieses Lebens.
| Stift Admont: Hort von Kunst & Kultur |
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Dem Admonter Konvent gehören derzeit 26 Benediktinerpatres an, die u.a. in der Seelsorge der ebenfalls 26 vom Stift aus betreuten Pfarren tätig sind. Abt des Stiftes ist derzeit Bruno Hubl. Spiritueller Mittelpunkt der Klostergemeinschaft sind das Stundengebet in der Chorkapelle der Klausur, die Konventmesse in der Benediktuskapelle sowie an Sonn- und Feiertagen die lateinische Choralvesper in der Stiftskirche.
Bücher, Insekten und Gemälde
Die Admonter Stiftsbibliothek mit ihrem Saal von 70 mal 14 Metern und einer Höhe von elf Metern als "Herzstück" ist eingebunden in eine Museumsanlage, die auf 3.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart zeigt und jährlich 80.000 Besucher anlockt. Im Handschriftenraum vermittelt die Schau "Bibliotheca universalis" die Vielfalt der Bibliothek und deren mittelalterliche Büchersammlung. Das Kunsthistorische Museum des Klosters zeigt Exponate von der Romanik bis zum Barock, während naturhistorisch Interessierte mit einer der bedeutendsten Insektensammlungen Europas auf ihre Rechnung kommen. Aktuelle Akzente sind die seit 1997 aufgebaute Sammlung für Gegenwartskunst mit über 1.000 Werken von 180 zumeist österreichischen Künstlern der jüngeren und mittleren Generation.
Nicht zu übersehen ist jedoch auch die wirtschaftliche Bedeutung des Klosters, das insgesamt 580 Mitarbeiter beschäftigt. Mit Abstand größter Stiftsbetrieb ist die STIA Holzindustrie GmbH, die unter dem Markennamen "Admonter" exquisite Naturholzböden und -platten erzeugt. Zu den Geschäftsfeldern gehören jedoch ebenso die Land- und Forstwirtschaft, die Energiewirtschaft mit acht Kleinwasserkraftwerken und einem Biomasseheizwerk, der Pflegebereich, das Immobiliengeschäft oder auch der Tourismus, für den jüngst durch die Eröffnung des Vier-Sterne-Hotels "Spirodom" oder durch die Mitgliedschaft bei der Vereinigung "Klösterreich" Schwerpunkte gesetzt wurden.
Bekannt ist Admont weiters für sein Stiftsgymnasium, das 1644 gegründet wurde und heute einen sprachlichen, einen naturwissenschaftlichen und einen musischen Zweig anbietet. Zur Zeit werden etwa 700 Schüler zwischen zehn und 18 Jahren in 26 Klassen von 62 Lehrern unterrichtet. Aufgrund ihres großen Einzugsgebietes in der gebirgigen Oststeiermark ist die Schule für viele Schüler die einzige Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen.
Ältestes Kloster der Steiermark
Admont wurde 1074 vom Salzburger Erzbischof Gebhard gegründet und geht zurück auf eine Stiftung der heiligen Hemma von Gurk. Im frühen 12. Jahrhundert wurde es nach dem Investiturstreit zum monastischen Zentrum für den gesamten süddeutsch-österreichischen Raum, war hier ein Ausgangspunkt der an die Reformbewegung von Cluny angelehnten "Hirsauer Reform" und hatte von 1120 bis in die Reformationszeit auch ein für seine literarische Tätigkeit bekanntes Nonnenkloster angeschlossen. Nennenswert ist zudem die Stickereischule des Stiftes, die im 17. Jahrhundert florierte.
Ihr barockes Gesicht erhielt die Klosteranlage durch einen Umbau, der 1735 unter dem Architekten Johann Gotthard Hayberger begonnen und vom Grazer Baumeister Josef Hueber weitergeführt wurde. 1865 fiel das gesamte Kloster mit Ausnahme der Bibliothek einem Großbrand zum Opfer, woraufhin die Anlage in den Folgejahren wieder neu errichtet werden musste. Die Admonter Stiftskirche, die auf den alten Fundamenten steht, ist der erste große neugotische Sakralbau Österreichs.
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Das menschliche Leben sei heute besonders am Anfang und am Ende gefährdet, wies der Grazer Bischof hin. "Die katholische Kirche weiß sich dem Widerstand gegen Abtreibung und sogenannte aktive Sterbehilfe aber auch dem Schutz von Embryonen unverzichtbar verpflichtet." Dabei erscheine die Kirche oft vor allem als "Neinsagerin". Aber, so Kapellari: "Zu manchem müssen wir als Freunde des Lebens ebenso wie unsere Vorfahren im Glauben ohne jede Polemik aber entschieden Nein sagen." Zugleich seien Katholiken "über alle Grenzen der Kirche hinaus unaufhörlich dafür tätig, dass Menschen materiell und spirituell besser leben können, und wir suchen und finden dafür auch viele Allianzen".
Kirche vor dem "Loslassen von Vertrautem"
Die katholische Kirche sieht das dienstälteste Mitglied der Österreichischen Bischofskonferenz in einem tiefgreifenden Wandel begriffen. Ihre Zukunft werde "in vielem anders sein als die Gegenwart", sagte Bischof Kapellari. Das "Loslassen von vertrauten Ordnungen" sei oft mit Schmerzen verbunden "und führt auch zu Konflikten, mit denen wir allseits auf dem Niveau des Evangeliums umgehen müssten, was freilich nicht immer gelingt".
Freilich sei die Kirche trotz aller Umbrüche und Abbrüche die zahlenmäßig größte Gemeinschaft in Österreich. Es gelte volkskirchliche Elemente nicht zu vernachlässigen, zugleich aber offen zu sein für den Weg in die Zukunft, betonte Kapellari. "Unsere Kirche kann im Ganzen nur sehr breit sein, wenn sie zugleich eine starke dynamische Mitte hat und dort mit tiefen Wurzeln im Quellgrund des Glaubens verankert ist." Die Mitte der Kirche sei Christus selbst, weiters jene Christen, die dem biblischen Wort "Gott ist Liebe" am meisten entsprechen, sowie jene, die sich - fest verankert in Gebet und Sakramenten - mit den Zeichen der Zeit auseinandersetzen.
Auch Fernstehende "gehören zu uns"
Als ein "Gefüge von konzentrischen Kreisen" umfasse die Kirche aber auch einen von der Mitte oft weit entfernten Rand, wies Bischof Kapellari hin. Auch jene Getauften, "die sozusagen nur den Mantelsaum Christi berühren (...) gehören zu uns und wir gehören zu ihnen". Papst Franziskus mahne, immer wieder auch an den Rand zu gehen, "freilich ohne uns von der Mitte abzulösen". Dies ergebe eine Spannung, "in der auch wir Bischöfe stehen müssen und stehen wollen".
Die katholische Kirche in Österreich steht - so Kapellari weiter - "in der Spannung zwischen Breite und Tiefe, zwischen Heiligkeit und Sünde, zwischen Stärke und Schwäche, sie bewegt sich, aber sie kann nicht galoppieren. Sie hat jedenfalls Millionen von Lebenskeimen in sich."
Im Blick auf den Marienfeiertag, der wie andere "in das schöne Gewebe des Kirchenjahres eingeflochten" sei, beendete Bischof Kapellari seine Predigt mit einem Hinweis auf den Schutzmantel Marias, der in einem alten Kirchenlied besungen werde, und zitierte daraus die die Bitte: "Maria, breit den Mantel aus, mach Schirm und Schutz für uns daraus."
Quelle: Kathpress
Einen historisch bedeutsamen Ort der Kunst, Literatur und Bildung haben Österreichs Bischöfe zum Schauplatz ihrer diesjährigen Frühjahrsversammlung ausgewählt: Stift Admont im Ennstal ist das geistliche, touristische und kulturelle Zentrum der nordwestlichen Steiermark. International bekannt ist das mit 940 Jahren älteste Stift des Bundeslandes vor allem durch seine Büchersammlung: Die prunkvolle Klosterbibliothek mit 200.000 Bänden ist die größte der Welt und wurde aufgrund ihrer meisterhaften Skulpturen, Reliefs und Freskos für lange Zeit sogar als "Achtes Weltwunder" bezeichnet.